Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., E 6990,mi-7/10
Scheffel, Joseph Victor von; Franke, Johannes [Hrsg.]
Joseph Victor von Scheffels sämtliche Werke: mit acht Kunstbeil. nach Gemälden von E. Grützner, A. Liezen-Mayer, Anton von Werner u.a., einer Kt. u. drei Handschriften (Bd. 7: Episteln und Reisebilder. I)
[1916]
Seite: 17
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Säkkinger Epiſteln. 17

terszeit den Mittelpunkt der Tätigkeit manches Biedermanns
bildet, indem er darauf den edlen und freien Künſten des
Schnapstrinkens und Schlafens gleichmäßig obliegt.
Darauf ſaßen nun die Mannen, die Ellenbogen kräftig auf
den Tiſch geſtützt, und erzählten mir, „dem Herrn Amtmann“,
allerlei Geſchichten, und es ſprach ſich ein ſo inneres mit ſich
und der Welt Imreinenſein in allem aus, daß mir's recht be⸗
haglich zumut wurde. So viel ward mir ebenfalls klar, daß,
wenn Proudhon oder Leroux oder irgendein anderer Apoſtel
des Sozialismus in eine Hauenſteiner Stube einträten, ſie
fünf Minuten ſpäter bombenähnlich hinausfliegen, beziehungs⸗
weiſe gefuhrwerkt würden. Zum Entſetzen für jeglichen Hu⸗
maniſten ſtellte einer von den Leuten den Satz auf: „Bei uns
hat's eigentlich der Bettler am allerbeſten, er braucht für nichts
zu ſorgen, geht durch alle Weltläufte ohne Furcht, etwas da⸗
bei zu verlieren, wo er hinkömmt, kriegt er ein Obdach und
dort wieder eine Speckſeite oder einen Schnaps, und wenn's
ein alter Knabe iſt, von dem man weiß, daß er ſein Teil Leben
ſchon gelebt hat, ſo genießt er noch hohe Achtung, und ſein Rat
wird von alt und jung geſucht.“
Ein anderer erzählte, wie er einmal in Baſel bei einem
reichen Herrn geweſen und habe einen ſchweren Kartoffelſack
in den Keller getragen, und da ſei er ihm gefallen und er habe
den Herrn gebeten, ihm den Sack aufzulupfen, und da ſei
dieſer ſo krumm und ſchwach und ſteif geweſen, daß er ſich
kaum habe bücken können, und habe vergeblich an dem Kartof⸗
felſack ſich abgezappelt, und da habe er zu dem Kaufherrn ge⸗
ſagt: „Ihr ſeid ein armer Mann, und ich bin ein Frei⸗
herr!!“
Solche und ähnliche Ketzereien wurden vielfach aufgeſtellt,
und es wurde mir dabei klar, daß man nicht nötig hat, mit
Fallmerayer bis auf den Berg Athos zu gehen, um bei den
Hagion Orosmönchen Friede und Weltüberwindung zu fin⸗
den — daß dies auch noch anderswo als „hinterwärts von
Trapezunt“ gefunden werden kann.
Der Hauptgegenſtand der Unterhaltung war natürlich der
im Schnee Verunglückte, und da erzählten ſie mir, daß es viel⸗
fach vorkomme, daß einer bei Nacht im Schnee aus der Bahn
verlaufe und ſo lang herum irre, bis er liegen bleibe; — und
daß es auch ſonſt paſſiere, daß einer, auch ohne getrunken zu
Scheffel. VII. 2


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