Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., E 6990,mi-7/10
Scheffel, Joseph Victor von; Franke, Johannes [Hrsg.]
Joseph Victor von Scheffels sämtliche Werke: mit acht Kunstbeil. nach Gemälden von E. Grützner, A. Liezen-Mayer, Anton von Werner u.a., einer Kt. u. drei Handschriften (Bd. 7: Episteln und Reisebilder. I)
[1916]
Seite: 20
(PDF, 54 MB)
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  (z. B.: IV, 145, xii)



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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/scheffel_sw7/0022
20 Epiſteln und Reiſebilder. I.

nicht weiter ein, fand jedoch ſeinen ſchließlichen Rat ſo ver⸗
nünftig, als wenn ich mir ihn ſelbſt erteilt hätte, trank in
ſtillem Grimm einen Bittern, ſagte dem Bürger Poſtillon noch
einige Grobheiten, ließ mir vom alten Balthes noch den ger⸗
maniſchen Troſt erteilen, daß es ſo trotz alledem beſſer gegangen
ſei, als wenn der des Wegs unkundige Poſtillon uns den Berg
hinab nach Säkkingen gefahren hätte, da er auf der neuen Straße
noch leichter hätte aus der Bahn kommen und uns das Vergnü⸗
gen eines Sturzes in die Tiefe bereiten können; — und nach
kurzem gedachte ich der weißen Zipfelkappe und des „Schlafe,
was willſt du mehr?“ legte mich ſamt dem Aktuario aufs Ohr
und entſchlummerte.
Des andern Morgens fuhren wir dann bei guter Stunde
wieder weiter, mußten abermals zum Erſtaunen unſerer Freunde
von geſtern abend durch Egg, fanden diesmal den rechten Weg
und hielten wohlbehalten nach herrlicher Bergfahrt unſern Ein⸗
zug in der „getrewen und feſten Waldſtadt Säkkingen.“
Wie wir aber des Abends im Wirtshaus zu Säkkingen unſere
Irrfahrten erzählten und ſämtliche Gäſte einverſtanden waren,
daß das lediglich dem Bürger und Geiſt Meyſenharts Joggele
zuzuſchreiben ſei, da ſchmunzelte der Amtschirurg Vogelbacher,
der trotz ſeines Kultus der gebrannten Geiſter ein großer Ratio⸗
naliſt iſt, pfiffig und ſagte: „Ach was Joggele! Was den Herrn
Rechtspraktikanten nach Willaringen zurückgeführt hat, heißt
nit Joggele, ſondern Vreneli, und iſt dem alten Balthes ſeine
Tochter. Er hat ſie am Mittag ſchon mit ſo großen Augen an⸗
geguckt, ſamt ihren kaſtanienbraunen Zöpfen, — mir geht ein
Licht auf wie eine Pechfackel. Herr Knopfwirt, noch ein Gläs⸗
ein!
Und ſeit der ſchnöde Amtschirurg die Hypotheſe aufgeſtellt
hat, mag ich ſagen, was ich will, ſo gibt's allerhand Bieder⸗
männer, die mit ſchlauem Lächeln die ÄAchſeln zucken, wenn von
der Doppelfahrt nach Willaringen die Rede iſt. ”
Auch daran iſt noch der Meyſenharts Joggele ſchuld! —


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