http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/scheffel_sw7/0025
Säkkinger Epiſteln. 23
von Frag' und Antwort, und mußte mancher Schoppen den
Weg ſeiner Beſtimmung wandeln, und wer das alte Lied ein⸗
mal geſungen hat:
Nichts Schönres kannſt du haben
Und was das Herz mehr freut,
Als wenn zwei alte Knaben
Sich ſehn nach langer Zeit!
der weiß, wie's uns zwei beiden zumut war.
„O Lichtenhain und Jena, o Zeiten wunderſam!“ wer ein⸗
mal auf dieſes Thema kommt, der verläßt es ſo bald nicht mehr,
und wenn ein Faß Bier in der Nähe ſteht, wo zwei Geſellen
von Jena ſprechen, da hat ſelbiges Bierfaß hundert Prozent
mehr Wahrſcheinlichkeit, leer zu werden, als voll zu bleiben;
zumal, wenn die Geſellen vom Schlag ſind wie der biedere Cle⸗
mens, von dem die Sage geht, daß er einsmals auf dem Markt
zu Jena mit nur einem Genoſſen ſich ein Fäßlein Rudolſtädter
Braunes angeſchrotet hatte und einem unſchuldigen Füchslein,
das auch um einen Schluck bat, zur Antwort gab: „Geh zum
Kenfe Fuchs; ſiehſt du nicht, daß wir hier ſchon zu zweien
in 177
Da ſtieg ſie wieder auf in ihrer alten Pracht, die Zeit bur⸗
ſchenſchaftlichen Schwärmens und zertrümmerter Stacketen, die
Zeit der Bummellieder und geraubter Gänſe, die Zeit rieſen⸗
hafter Entwürfe und noch rieſenhafteren Durſtes; und eine ſtille
Wehmut, die aber dennoch ein ſolides Trinken nicht ausſchloß,
ſtellte ſich ein beim Gedanken: wo ſind ſie hingeweht vom Sturm
der Zeit, all die ſtolzen Himmelsſtürmer, die damals den Schlä⸗
ger und den Steinkrug ſchwangen? —
Die einen, ſie weinen;
Die andern, ſie wandern;
Die dritten noch mitten
In ſtrudelnder Flut; —
Und manche geſtorben
Und manche verdorben!
— — Ach, lieber Gott! und auch er war geſtorben, Zottel, der
Teutonenpudel, der ſo ſtolz einſt auf dem Markt zu Jena ſei⸗
nem Herrn die Pfeife nachtrug und mit den Hunden der Korps⸗
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/scheffel_sw7/0025