Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., E 6990,mi-7/10
Scheffel, Joseph Victor von; Franke, Johannes [Hrsg.]
Joseph Victor von Scheffels sämtliche Werke: mit acht Kunstbeil. nach Gemälden von E. Grützner, A. Liezen-Mayer, Anton von Werner u.a., einer Kt. u. drei Handschriften (Bd. 7: Episteln und Reisebilder. I)
[1916]
Seite: 24
(PDF, 54 MB)
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  (z. B.: IV, 145, xii)



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24 Epiſteln und Reiſebilder. 1.

burſchen ſich herumbiß; — und auch ihm weihten wir ein ſtilles
Glas! —
Und kaum waren wir über die erſten Einleitungen hinaus,
und kaum hatten wir der Erinnerung an Jena nur das geringſte
Maß von pietätvollem Tribut gezollt, als ſchon die Sternlein
am Himmel aufzogen, und wie mir allmählich der urſprüngliche
Zweck der Laufenburger Fahrt wieder aufdämmerte und ich dem
Bürger Clemens ſagte, er ſolle mich jetzt zum Fürſprech Heim
führen, und den Rheinwirbel wolle ich auch noch ſehen, da
machte er wieder ſein lammfrommes Geſicht und ſprach: „Dies
kommt ſpäter!“ Und der Orion war ſchon ziemlich hoch über
der Rheinbrücke, und der große Bär trieb ſich auch ſchon am
dimemelszelt ſeit geraumer Zeit herum, als wir die Poſt ver⸗
ließen.
„Jetzt gehen wir zum Fürſprech Heim,“ ſprach Tlemens,
„dort gilt keine Viſitenſtunde, — aber vorerſt muß ich dir
meine Bude zeigen.“ Und wie ich mit ihm heraufſtieg, da war
ein Tiſchlein in ſeiner Behauſung gedeckt, und paradierte darauf
ein germaniſcher Schwartenmagen und zwei große Flaſchen
Rotwein und — was bei einem ſpezifiſchen Jenenſer Frühſtück
nie fehlt, aber außerhalb dieſes Kulturkreiſes nicht in Deutſch⸗
land vorkommt — ein paar kürbisartige, rieſenhafte, einge⸗
machte Waſſergurken.
„Waſſergurken! 's iſt das einzige Trümmerſtück Jenaiſcher
Kultur,“ ſprach Clemens, „was ich nach der Schweiz verpflanzt
habe. Lichtenhainer gibt's nicht, Köſtritzer gibt's nicht, — da
hab' ich wenigſtens eine Erinnerung groß gezogen und mir
ein Quantum Waſſergurken nach Jenaiſchen Rezepten eigen⸗
händig eingemacht.“
O dieſe Waſſergurken! es lag ein weltgeſchichtlich erſchüttern⸗
der Inhalt in dieſen Waſſergurken. —
Was blieb übrig, als in ſtiller Rührung dies Jenaiſche
Frühſtück zu verzehren; — denn wer auf dortiger Hochſchule
ſeine Studien gemacht, der frühſtückt zu jeder Tageszeit; —
und der Rotwein lag auch nicht überzwerch in den Flaſchen, und
wieder ſtieg die Zeit von Jena in ihrer alten Pracht auf,
und mit verhülltem Antlitz entflogen die verſchiedentlichen Cou⸗
ſinen aus den Prachtſalons meiner Gedanken. — —
Wie wir aber endlich wieder hinabgeſtiegen waren, da ſprach


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