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Säkkinger Epiſteln. 25
der waſſergurkeneinmachende Clemens ganz trocken: „Wenn es
dir jetzt genehm iſt, ſo will ich dich zu deinem Fürſprech
führen.“ Aber da kamen mir die Häuſer ſo wacklig und der
Boden ſo ſonderbar vor, und der Mondſchein war ſo grell, und
der Rhein rauſchte bergan und jene Stettenſche Stimmung,
wo dem Menſchen klar wird, daß es keine Ideale gibt, bum!
bum! ergoß ihren Zauber über mich, ſo, daß ich erwiderte:
„Dies kommt ſpäter! vorerſt führ mich nach Kleinlaufenburg
zum Militärarzt mit dem roten Bart, und führe mich ſorgſam,
mein Sohn Hadubrand, und halt in allem Wechſel der Zeiten
nur das eine feſt, daß der ‚Weltgeſchichte fauſtiſch prometheiſch
Ringen nur ein Funke aus dem großen Lavaſtrom des Abſo⸗
luten iſt.“
Der waſſergurkeneinmachende Clemens führte mich treu und
ſorgſam zu meinem Reiſegefährten, der inzwiſchen einen Leiter⸗
wagen behufs der Heimfahrt aufgetrieben hatte. Wie's aber ans
Abfahren ging und die Peitſche des ſchnöden Kutſchers knallte,
machte Clemens wieder ſein lammfrommes Geſicht und ſprach:
„'s iſt übrigens ein Glück für die ſchöne Tochter, die der Für⸗
ſprech Heim notwendigerweiſe beſitzen muß, daß er keine hat,
denn in deinem abſoluten Zuſtand heut abend hätteſt du ihre
Eroberung doch ſchwerlich gemacht. Auf Wiederſehen!“
Und alſo raſſelte ich im Leiterwagen durch die mondhelle
Sternennacht über Rhina und Murg nach Säkkingen zurück und
hatte zwar keinen Vetter, aber doch auch keine Couſine entdeckt.
Der rotbärtige Militärarzt aus Weſtfalen aber, der in ſeinen
Mußeſtunden Hebels Schatzkäſtlein zu leſen pflegt, ſprach im
Ton des rheinländiſchen Hausfreunds:
Merke erſtens: Du mußt in der Schweiz keine ſchöne Cou⸗
ſine aufſuchen, wenn keine da iſt.
Merke zweitens: Wenn du ſie aber, trotzdem ſie nicht exi⸗
ſtiert, doch aufſuchen willſt, ſo beſuche vorher keinen alten Be⸗
kannten, mit dem du in Jena ſtudiert haſt, zumal, wenn
ſelbiger eingemachte Waſſergurken beſitzt.
Merke drittens: Ein Glas friſch Waſſer morgen beim Auf⸗
ſtehen wird gut für den Katzenjammer ſein! —
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