Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., E 6990,mi-7/10
Scheffel, Joseph Victor von; Franke, Johannes [Hrsg.]
Joseph Victor von Scheffels sämtliche Werke: mit acht Kunstbeil. nach Gemälden von E. Grützner, A. Liezen-Mayer, Anton von Werner u.a., einer Kt. u. drei Handschriften (Bd. 7: Episteln und Reisebilder. I)
[1916]
Seite: 26
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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/scheffel_sw7/0028
26 Epiſteln und Reiſebilder. I.

Vierte Epiſtel in die Heimat.

Säkkingen, den 14. Februar 1850.

(Wie der Doktor Scheffel nicht von Amts wegen, ſondern Vergnügens halber*
nach Herriſchried in Wald gefahren, und was mancherlei Geſtalt von Vergnügen
er dabei zu genießen bekommen.)

In der Faſtnachtszeit treibt der Menſch allerhand Abſonder⸗
liches und meint, es ſei ein Vergnügen; — das Säkkinger junge
Volk treibt ſich in einem von Kunſt wie von Schönheit gleich⸗
mäßig entfernten Maskenkoſtüm in den Straßen herum; der
Honoratior wandelt bedachtſam nach Oberſäkkingen zum her⸗
kömmlichen Schinkenfeſteſſen, arbeitet ſich durch rieſenhafte
Barrikaden von Kalbskeulen, Zungen und Schinken durch, ſingt
mit hundertfachen Variationen neben, unter und auf dem
Tiſch das Lied „Freut euch des Lebens“ und begräbt die Sorge
um Belagerungszuſtand und um den nahen Krieg mit der
Schweiz im Grenzacher und Markgräfler Weißen.
Ich meinerſeits war durch all dieſe Herrlichkeiten noch nicht
vollſtändig beruhigt und beſchloß deshalb, mit einer amtlichen
Kommiſſion, die am Faſtnachtsdienstag weit hinten auf dem
Wald zu Rütte nach ein paar Biedermännern fahnden wollte,
die dem Staat bei dem ſchweren Geſchäft des Münzprägens
in liebevollem Anteil durch eigene Arbeit nachgeholfen hatten,
als Volontär zu fahren. G

Alſo ſaßen des Morgens um acht Uhr wir drei, der Amtsver⸗
walter Gamber, der Aktuar Steinmann, der den Spruch „Sei
mir heute nichts zuwider!“ erfunden hat, und ich im großen
Eliaswagen und fuhren waldeinwärts.
Der Eliaswagen iſt unter ſeinen Mitwägen ſeiner Abnormi⸗
tät halber faſt ebenſo berühmt wie der Amtschirurg Vogelbacher
unter ſeinen Mitmenſchen. Bei der Konſtruktion anderer Equi⸗
pagen geht der ſachkundige Meiſter von dem Grundſatz aus: das
Fahren iſt die Regel, das Umwerfen iſt die Ausnahme. Der
Erbauer des Eliaswagen aber, der wohl wußte, welcher Unter⸗
ſchied zwiſchen einer Kunſtſtraße im Berliner Tiergarten und
den Vizinalwegen im Wald beſteht, baute ſeinen Wagen nach
dem Grundſatz: das Umwerfen iſt die Regel, das ungehinderte
Fahren nur Ausnahme. Deswegen legte er als Gegengewicht


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