Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., E 6990,mi-7/10
Scheffel, Joseph Victor von; Franke, Johannes [Hrsg.]
Joseph Victor von Scheffels sämtliche Werke: mit acht Kunstbeil. nach Gemälden von E. Grützner, A. Liezen-Mayer, Anton von Werner u.a., einer Kt. u. drei Handschriften (Bd. 7: Episteln und Reisebilder. I)
[1916]
Seite: 27
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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/scheffel_sw7/0029
Säkkinger Epiſteln. 27

gegen das Umwerfen alle Schwere in die Achſe und die Räder
des Wagens, und damit kein Gewicht von oben drücke, ſpannte
er ſeitwärts und oben nur ein Spritzleder über, und des Gleich⸗
gewichts halber richtete er keine gewöhnlichen Sitze ein, ſondern
verſah ihn mit einem ſattelförmigen Bock, auf dem die Inſaſſen
des Wagens wie die vier Haimonskinder ſitzen können.
Wer einmal zwiſchen Merſeburg und Treuenbrietzen oder
bei Zwickau in einer Extrapoſtchaiſe gefahren, kann ſich von
der ſonſtigen eleganten Ausſtattung unſeres Eliaswagens eine
annähernde Vorſtellung machen.

Durch dieſe lobenswerten Eigenſchaften aber hat ſich der
Eliaswagen den Ruhm erworben, daß, wie der Poſtillon ſagte,
zehntauſend Teufel ihn nicht „umkeien“ können.
In ſotanem Wagen ging's alſo waldeinwärts, und zwar
zuerſt den alten Weg nach Willaringen, und nach der erſten
Viertelſtunde wurde das Wetter ſo gemütlich, daß wir ſämtliche
Spritz⸗ und anderen Leder aufzogen und wie die Familie Noaeh
durch die ſündflutlichen Regen weiterſteuerten.
Vor Willaringen war mir's faſt, als ſei der Meyſenharts
Joggele unter einer Tanne geſeſſen und hätte gekichert: „Wart,
du vermaledeiter Doktor, wenn du dir einen Faſtnachtsſpaß
machſt, ſo mach' ich mir auch einen; — und mit dir habe ich
ohnedies noch darüber abzurechnen, daß du mir in deiner Epi⸗
ſtel II ſo viel Spott angetan und mich beim Karlsruher Stadt⸗
volk ins Geſchwätz gebracht haſt. Und trotzdem, daß dir dein
biederer Vater, der mich übrigens auch nicht umſonſt ins La⸗
teiniſche überſetzt und den daemonibus malignioribus beige⸗
rechnet haben ſoll, einen vermeintlichen Schutzpatron gegen
mich überſendet, werd' ich heut noch und in der Zukunft ein
Wörtlein mit dir reden.“
Diesmal fuhren wir aber, ohne uns um den Meyſenhart und
meinen Freund Balthes und ſein Vreneli zu kümmern, weiter,
und erſt in Rickenbach ward haltgemacht. Und hat mir's allda
ſchier noch beſſer gefallen wie beim Balthes; denn der Rößle⸗
wirt von Rickenbach ſchüttelte uns grad ſo freundlich zum
„Willkomm“ die Hand, hatte aber andrerſeits nicht nur ein
Maidli im Haus, ſondern drei, und war das Koſtüm von Bal⸗
thes Tochter ohne konſtitutionelles Gleichmaß, ſo war es das
von Rößlewirts Maidlin noch viel weniger. Die waren nämlich


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