Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., E 6990,mi-7/10
Scheffel, Joseph Victor von; Franke, Johannes [Hrsg.]
Joseph Victor von Scheffels sämtliche Werke: mit acht Kunstbeil. nach Gemälden von E. Grützner, A. Liezen-Mayer, Anton von Werner u.a., einer Kt. u. drei Handschriften (Bd. 7: Episteln und Reisebilder. I)
[1916]
Seite: 28
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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/scheffel_sw7/0030
28 Epiſteln und Reiſebilder. I.

ſchon im Ballanzug. Der beſtand aus einem ſchwarzen Pech⸗
käppli als Haube, einem geſtickten kurztailligen Mieder und
einem ins unendliche gefälteten Rocke, der aber den roten
Strümpfen noch ſo viel Raum zu ſelbſtändiger Entwicklung ge⸗
ſtattete, daß daraus hervorging, wie der Begriff eines „Vo-
lants“ noch nicht nach Rickenbach gedrungen ſei. Dazu kam ein
Syſtem von unendlich aufgebauſchten, reichfaltigen Armeln bis
an den Ellenbogen, die wie eine Vaubanſche Sternſchanze den
übrigen Arm deckten.
Durch die Anerkennung dieſes Koſtüms habe ich Unglück⸗
ſeliger mir leider keine Lorbeeren erworben. Wie ich in wohl⸗
geſetzter Rede das eine Maidli um die Ehre erſuchte, mein
Skizzenbuch durch eine getreue Abſchrift ihrer ganzen Erſchei⸗
nung bereichern zu dürfen, und noch zufügte, es geſchehe dies
meiner Schweſter zu lieb, die weit hinten am Landgraben wohne
und heute wahrſcheinlich auch tanzen werde, damit ſie erſehen
könne, wie man im Wald zu Balle gehe: da fielen die Aktien meines
Kredits unter Null. Das gute Kind glaubte, ich wolle ſie ver⸗
ſpotten, und als ich ihr mein Skizzenbuch zeigte, in welchem
bis jetzt leider nur ein ſlowakiſcher Mausfallenhändler, ein baß⸗
geigenſpielender Bürgermeiſter und zwei Bettelbuben paradie⸗
ren, wurde dieſe Überzeugung noch befeſtigt, und nachdem die
ſämtliche Damenwelt im Rößle noch einen Kriegsrat in der
Küche gehalten, wurde einſtimmig beſchloſſen: „Es ſei ſotanes
Geſuch des Doktor Scheffel angebrachtermaßen zu verwerfen.“
Nachdem ich hier auf dem Weg Rechtens abgefahren, fuhr der
Eliaswagen auf dem Weg nach Hottingen allmählich auch
wieder ab. Mühſam zogen uns die zwei Füchſe und das Schim⸗
mele, dem der Poſtillon aus der reichhaltigen Regiſtratur ſeiner
Kernflüche die liebevollſten angedeihen ließ, noch die Hottinger
Steige hinauf. Dort oben aber hieß es immer mehr und mehr,
wie einſt der hauptumwickelte Phylax geſungen: „Schwieriger
ſtets wird der Weg, und in der Tat choleratiſch.“ Da lag noch
ein fußtiefer Schnee, und an manchen Stellen war er ganz
mauerartig zuſammengeweht, und war öfters nur noch ein
Tannenreis ausgeſteckt, um anzudeuten, wo in anderen Zeiten
ein Fahrweg geführt; und oftmals wurde das Verhältnis des
Eliaswagens zur Erdoberfläche noch viel ſchiefer als das des
Königs von Preußen zur Demokratie. Wie's nun ſo mühſam
durch den Totenbühl nach dem Wirtshaus zum dürren Aſt hin⸗


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