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Säkkinger Spiſteln. 29
ing — für einen ſoliden Nebel und Schneegeſtöber hatte der
eyſenharts Joggele auch geſorgt — vergaß der Eliaswagen
auf einmal, daß er uns nicht, wie weiland den Propheten, gen
Himmel, ſondern vorderhand nur nach Herriſchried führen ſollte
— er wandte ſich, er knarrte, ein Fluch des Poſtillons, — und
pladderadautſch! lagen wir ſeitabwärts im Schnee und der
Eliaswagen wie ein toter Walfiſch auf dem Rücken.
„Sei mir heute nichts zuwider!“ ſprach zuerſt der Aktuarius
und ſchüttelte ſich auf, und allmählich ſammelten wir andern
unſere Knochen auch wieder zuſammen — und der Poſtillon
zählte die Häupter ſeiner Lieben, und ſieh, es fehlte kein teures
Haupt, ſelbſt der Pfeifenkopf des Amtsverwalters war ganz
geblieben; — und es war uns ſo pudelwohl, daß der Meyſen⸗
harts Joggele an unſerem homeriſchen Gelächter wohl erſehen
konnte, wie wir an ſeiner Faſtnachtbeſcherung ſelber unſer
Wohlgefallen hatten. In einer halben Minute war der Elias⸗
wagen wieder auf die Beine gebracht; aber der Meyſenharts
Joggele dachte: „Wenn die Herren noch nicht genug haben,
können ſie's noch beſſer bekommen; mir kommt's nicht darauf
an“ und ſetzte ſich an den Kreuzweg beim dürren Aſt und deckte
den Weg nach Herriſchried zu mit ſeinem Nebel, und allmählich
gerieten wir nach Segeten ſtatt nach Herriſchried, und allmäh⸗
lich ſaß der Wagen in pfadloſem Felde feſt, und mochte der
Poſtillon auch die ſaftigſten Flüche aus ſeiner Regiſtratur her⸗
vorholen, es half nichts mehr; er mußte zurückfahren, und wir
mußten zu Fuß nach Herriſchried hinüber. Das Vergnügen
dieſes kleinen Spaziergangs war aber wirklich ein ausgeſuchtes.
3000'’ über der Meeresfläche am Faſtnachtsdienstag pfeift die
Natur eine andere Melodie als im kühlen Tal. Vor uns eine
Schneefläche, ins Geſicht ein mit Regen untermiſchtes Schnee⸗
geſtöber, dazu ein Sturmwind, der ganz katzenmuſikaliſch in
den Tannen herumheulte, — der Meyſenharts Joggele hatte
ſ eine Statisfaktion, trotzdem der Aktuarius den Hebelſchen Vers
ang:
„Minen Auge g'fallt
Herriſchried im Wald.
Woni gang, ſo denk i dra,
's chunnt mer nüt uf d' Gegnig a
Z' Herriſchried im Wald.“
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