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Säkkinger Epiſteln. 31
noch nach Rütte und brachte natürlich nichts heraus. Ich aber
verblieb in traulichem Geſpräch beim gaſtlichen Pfarrer, und bei
der Erinnerung an ſeinen warmen Ofen und ſeine warmen
Pantoffeln und ſeinen noch mehrmals gefüllten Steinkrug mit
Bier wird mir's ſo behaglich zumut, daß ich gar nicht mehr
beſchreiben mag, wie auf unſerer nächtlichen Heimfahrt der Mey⸗
ſenharts Joggele abermals einige Veranlaſſung zu zufriedenem
Kichern fand; wie wir im Rennſchlitten bei Nacht und Nebel
nach Hottingen fuhren; wie der Eliaswagen vom dürren Aſt
bis Hottingen, aber ohne uns, die wir ſchon beim Kienſpan⸗
feuer des Akziſors in Hottingen ſaßen, noch zweimal umwarf;
wie es unterwegs einmal ſcharf am Horizont geblitzt hat, und
wie wir über Hänner und Laufenburg endlich müd und durch⸗
froren nachts um ½ 11 Uhr in Säkkingen ankamen.
Darüber, daß ich in ſelber Nacht trotz alledem noch in Frack
und Handſchuh auf den großen Ball im Schützen ging und mit
Sr. Wohlgeboren des Herrn Amtsreviſors Gemahlin pflicht⸗
ſchadioſt eine Polka getanzt, ſchweigt ohnehin die Weltge⸗
ichte. —
Fünfte Epiſtel in die Heimat.
Säkkingen, den 24. März 1850.
(Worinnen vom Sankt Fridolinifeſt zu Säkkingen und deſſen Ausgang, ſowie
von etzlichen anderen Dingen die Rede iſt.)
Diesmal ſeid Ihr aber ſelbſt ſchuld, liebwerte Frau Mutter,
daß Ihr bis jetzt kein Schreiben und keine ſolenne Gratulation
zum Joſephstag ſamt obligatem Dank von mir erhalten habt.
Unter der Woche habe ich keine Zeit zum Briefſchreiben; der
praktiſche Juriſt muß vor allem die Kanzleiſtunden einhalten
(hat er ja ſogar für die Liebe, wie's in jenem Liede heißt, nur
Zeit von abends ſechs Uhr an, und nachmittags von eins bis
zwei); — und auf den ſchönen Feiertag am 19., wo ich Euch
einen tiefgefühlten Gruß verfaſſen wollte, ſchickt Ihr ſelber mir
eine wohlbeſtellte Wildbretpaſtete und ſchreibt dazu, ich ſolle
ſie mit einigen guten Geſellen zuſammen verzehren.
Was bleibt mir übrig? Getreu dem Wink meiner Mutter,
organiſiere ich ein ſolennes Frühſtück, laſſe ein Fäßlein Bier
dazu anſchroten, und ein Wort gab das andere, und das Früh⸗
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