Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., E 6990,mi-7/10
Scheffel, Joseph Victor von; Franke, Johannes [Hrsg.]
Joseph Victor von Scheffels sämtliche Werke: mit acht Kunstbeil. nach Gemälden von E. Grützner, A. Liezen-Mayer, Anton von Werner u.a., einer Kt. u. drei Handschriften (Bd. 7: Episteln und Reisebilder. I)
[1916]
Seite: 33
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Säkkinger Epiſteln. 33

Denn der Wälder ſetzt ſeine Ehre drein, wenn er bei feſt⸗
licher Gelegenheit auswärts erſcheint, ſich aufs feinſte heraus⸗
zuſtaffieren; und der elegante Mann im Hauenſteinſchen hat
außer dem Werktags⸗ und Sonntagskoſtüm noch ein drittes,
welches in der merkwürdigen Sprachweiſe das „Näumeshinge⸗
wand“ heißt, — das „Irgendwohinkoſtüm“, reſp. das, was er
anzieht, wenn er irgendwohin in die Stadt geht und ſich ſehen
läßt; und der „Näumeshinrock“ iſt gewiß vom beſten Samt und
darf kein Stäublein darauf ſitzen, und das „Näumeshinhemd“
iſt am feinſten gefältelt und der krauſe Hemdkragen ſchmucker als
alle andern.
Und auch die Maidlin vom Wald ſchauten gar vergnüglich
mit ihren Pechkäpplein, langen Zöpfen, kurzen Miedern und
vielfarbigen, vielfaltigen Röcken in die Welt hinaus und haben
gewiß manche malitiöſe Bemerkung über das abnorme Koſtüm
der andern Damen gemacht, denn da waren auch noch Müll⸗
heimerinnen und Fricktälerinnen mit der großen Bandſchleife
an der Haube, von welcher, ſowie von den Zöpfen aus, ein
ganzes Syſtem von langen Bändern im Wind herumflog, wie
bei einem Admiralsſchiff, das alle Flaggen aufgezogen hat.
Zwiſchen all den Geſtalten ragte aber auch manche im ver⸗
zwickten halbſtädtiſchen Koſtüm heraus, im ehrwürdigen, vor⸗
ſündflutlichen Spitzfrack und im zylinderförmigen Filzhut, an
denen ich mein Wohlgefallen weniger hatte.
Um 9 Uhr läutete es mit allen Glocken, und da ſtrömte die
ganze Menge in die Stiftskirche, und Kopf an Kopf gedrängt
ſtand alles in der weiten Fridolinikirche, und kaum merkte man,
daß die Geſellſchaft, die noch draußen hin und her wogte, ab⸗
genommen hätte. Als frommer Mann ging ich auch hinein auf
die Emporkirche, wo die ganze Stadtmuſik zum muſikaliſchen
Hochamt bereit war und mein guter Freund, der Bürgermeiſter
von hier, gar ſchön die Orgel ſpielte.
Zucerſt kam eine gewaltige Predigt, — dazu hatten ſie einen
eigenen Feſtreder von weither verſchrieben — der donnerte und
blitzte gegen das Treiben der Welt und die Hoffart und Frei⸗
ſchärlerei und zeigte am Exempel Fridolini, der ſeinen irlän⸗
diſchen Prinzentitel und allen Ruhm und heidniſches Wiſſen an
den Nagel gehängt hatte, um zu Säkkingen das Evangelium zu
predigen, was wahre chriſtliche Größe ſei, und polterte und
lärmte und ſchlug die Kanzelbretter ſchier entzwei und ſprach
Scheffel. VII. 3


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