Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., E 6990,mi-7/10
Scheffel, Joseph Victor von; Franke, Johannes [Hrsg.]
Joseph Victor von Scheffels sämtliche Werke: mit acht Kunstbeil. nach Gemälden von E. Grützner, A. Liezen-Mayer, Anton von Werner u.a., einer Kt. u. drei Handschriften (Bd. 7: Episteln und Reisebilder. I)
[1916]
Seite: 36
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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/scheffel_sw7/0038
36 Epiſteln und Reiſebilber. 1.

Wehe, wenn er losgelaſſen,
Wackelnd ohne Widerſtand
Durch die volksbelebten Straßen
Wälzt den ungeheuren Brand.

Aber alle waren ſie noch erbaut von der gewaltigen Predigt.
Der alte Schmied von Niederſchwörſtadt, der ſich uns anſchloß,
und bei dem der Begriff auch ein weniges verwirrt war, meinte:
das ſei ein ſtrenger Prediger, der könne es gut verkaufen, was
er ſtudieret habe (damit meinte er den energiſchen äußern Vor⸗
trag), der neu Vikari in Säkkingen habe zwar des nachmittags
auch noch gepredigt, aber da habe ihn „ein bizzele Schlaf über⸗
chommen.“
Und im Bierkeller zu Wehr erſt! Da ſaß der alte Dekan von
Wehr, ein Weſſenbergianer, der mit den neuen Eiferern und
Miſſionsſtiftern nicht auf beſtem Fuße ſteht, und herein kam
gewankt — der leibhaftige Hildebrand und ſein Sohn Hadu⸗
brand, ein alter Gemeinderat von Wehr mit ſeinem Sohne, die
förmlich auf allen vieren heimkrochen; aber der alte Hildebrand
ſetzte ſich zum Dekan und erzählte ihm die ganze Predigt wieder
und gab ihm gute Lehren, „ſo müſſe er auch werden, und eine
Miſſion müſſe er in Wehr abhalten, und ein anderer Lebens⸗
wandel müſſe geführt werden in der Gemeinde“; und der Alte
ſprach ſich mit ſolchem Feuereifer wieder halbwegs nüchtern
und erbaute noch die übrigen, ſein Sohn Hadubrand aber ſaß
in ſtiller Würde ſteifgetrunken da, und vergebens taten der Ak⸗
tuar und ich das Gelöbnis, beim erſten Wort, das dieſer fromme
Pilgrim ſpräche, einen halben Schoppen zu trinken, — der
Eindruck des Feſtes hatte ſeine Zunge gelähmt, er konnte nur
noch durch Nicken ausſprechen, daß er ſeinem Vater in allem
beiſtimme.
In unſerer Art ebenfalls erbaut, verließen wir die Stätte.
Aber unterwegs ſteht noch ein ander Wirtshaus, wo ich nie vor⸗
übergehe, ohne nachzuſehen, wie's mit dem Grenzacher Achter
ſteht. Das iſt das alte Brennetwirtshaus bei Oflingen, eine
geſchichtliche Kneipe, wo ſchon ſeit Jahrhunderten die Fuhr⸗
leute einkehren, wo ſchon vor Jahrhunderten, wie ich aus alten
Akten erſehen habe, Nachtwächter geprügelt und fremde Burſche
beim Tanz hinausgeworfen wurden.
Für ſolche Räume habe ich eine angeſtammte Pietät —


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