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Säklinger Epiſteln. 41
dafür, daß ihm das Trinken beſſer ſchmeckt als das Arbeiten,
und daß er dem Spruch folgt: „Lieber ein' leeren Darm als
einen müden Axm!“ — — Zweckloſes Umhertreiben! Wie oft
hat ſich der Polizeireſpizient als fahrender Schüler ſelber aufs
zweckloſeſte umhergetrieben und möchte jetzt lieber die Aus⸗
ſagen des Inkulpaten ſo zu Protokoll diktieren, wie es jenes
liederliche Brüderlein ins Knaben Wunderhorn geſungen hat:
Und weil ich nun gegeſſen hatt', da ſollt' ich auch bezahlen, L
Da fragt' ich, was die Mahlzeit koſt', da ſprach der Wirt: Ein Taler!
Ei Mutter Gottes ja,
Maienblümlein bla —
Da hatt' ich keinen Taler. —
Der Wirt der zog mein Röcklein aus
Und jagt mich in die Scheune.
Ei Mutter Gottes ja,
Maienblümlein bla —
Wie lang war mir die Weile!
Und als es gegen Morgen kam, da träufelt's von dem Dache
Ei Mutter Gottes ja,
Maienblümlein bla —
Da mußt ich ſelber lachen.
Und als es gegen Mittag kam, da zog der Wirt mir's Käpple aus
Und jagt mich auf die Straßen.
Und als ich auf die Straße kam, — die Schuh war'n ſehr zerbrochen,
Ei Mutter Gottes ja,
Maienblümlein bla —
Da lief ich auf den Socken. —
Leider muß das biedere Subjekt bei Waſſer und Brot in
den Turm, — die Poeſie verhüllt ihr Antlitz und trauert. —
— Rrr — ein ander Bild! Ein anderes „Individuum“ wird
vorgeführt.
Verbrechen? — Widerſetzlichkeit gegen die öffentliche Ge⸗
walt. Das „Individuum“ iſt auf dem Markt zu Säkkingen
geweſen, — und wozu iſt denn der Markt in Säkkingen anders
da, als daß man ſich vor dem Nachhauſegehen einen ungeheu⸗
ren Brand trinkt? Und was kann das „Individuum“ dafür,
daß ſich aus dieſem Vorderſatz die logiſche Konſequenz ent⸗
wickelte, daß es im Straßengraben „ungern zwar, doch wei⸗
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