Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., E 6990,mi-7/10
Scheffel, Joseph Victor von; Franke, Johannes [Hrsg.]
Joseph Victor von Scheffels sämtliche Werke: mit acht Kunstbeil. nach Gemälden von E. Grützner, A. Liezen-Mayer, Anton von Werner u.a., einer Kt. u. drei Handschriften (Bd. 7: Episteln und Reisebilder. I)
[1916]
Seite: 42
(PDF, 54 MB)
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  (z. B.: IV, 145, xii)



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42 Epiſteln und Reiſebilder. I.

chend dem ſchwarzen Verhängnis“ liegen blieb? Und wie das
„Individuum“ vom Gendarmen herausgezogen ward, da hat
es vom Gendarmen verlangt, jetzt ſolle er die Wohltat auch
vollſtändig machen und ihm die Stiefel ausziehen, denn die
ſeien voll Waſſer, und mit Stiefelausziehen befaſſe es ſich
ebenſowenig als mit Marſchieren in durchnäßten Stiefeln. Und
wie der Gendarm dieſe gerechte Anforderung mit Indignation
abwies, da ward das „Individuum“ auch von Indignation
erfüllt und ſchlug ſeinem Lebensretter mit dem Stechpalmſtock
„eines“ herüber: O weh, auch dieſer trunkene Logiker muß
ab in Turm und brummen! —
Wer kommt jetzt? Da wimmelt's mit Geſtalten: Männer
und Frauen, ehrliche Vagabunden, Keſſelflicker, Korbflechter,
Geſchirrhändler, Trödler, Zundelfrieder, Bürſtenbinder und
andere Strolche, die wollen ihre Paßbüchlein viſiert haben und
Bewilligung zum Hauſieren. Die haben ſo eine ſcheinbare Legi⸗
timation zum zweckloſen Umherziehen, eigentlich fahren ſie
auch, ohne zu wiſſen warum, in der ſchönen Welt herum. Und
wenn ſie erſt ein Fuhrwerk bei ſich haben, o ehrwürdiger
Schimmel, .
Ei du biſt noch wohlgeſtalt,
Biſt nit zu jung, biſt nit zu alt,
Du biſt mit meinem Weib geboren,
Haſt erſt den zehnten Zahn verloren,
Zieh, Schimmel, zieh!

Ab mit euch! Jetzt wird wieder einer vorgeführt. O du
Geſtalt voll Abgeriſſenheit und Durſtes, voll ehemaliger Land⸗
ſtraßenpoeſie und moderner, ſchiefgewickelter, ſozialer Demo⸗
kratie, — deutſcher Handwerksburſche, alter Bruder
Straubinger, müſſen wir uns ſo wiederſehen?! Bin ich nicht
dereinſtmals mit dir auf gleicher Heerſtraße gezogen, hab' mit
dir geſungen und getrunken, — und jetzt muß ich dein böſer
Dämon ſein! Aber dir geht's wahrhaftig tragiſch; und die Lyrik
hört auf! Warum haſt du dich ins politiſche Drama hinein⸗
geworfen und ſtatt Roſen und Gelbveigelein die rote Feder
an Hut geſteckt? Warum biſt du in der Schweiz bei den
Arbeitervereinen geweſen? Du erliegſt einem tragiſchen Ge⸗
ſchick. Aus der Schweiz haben ſie dich ausgewieſen, und aufs
badiſche Gebiet läßt man dich nicht herein ohne gehörigen Aus⸗


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