Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., E 6990,mi-7/10
Scheffel, Joseph Victor von; Franke, Johannes [Hrsg.]
Joseph Victor von Scheffels sämtliche Werke: mit acht Kunstbeil. nach Gemälden von E. Grützner, A. Liezen-Mayer, Anton von Werner u.a., einer Kt. u. drei Handschriften (Bd. 7: Episteln und Reisebilder. I)
[1916]
Seite: 44
(PDF, 54 MB)
Bibliographische Information
Startseite des Bandes
Zugehörige Bände
Freiburg und der Oberrhein

  (z. B.: IV, 145, xii)



Lizenz: Public Domain Mark 1.0
Zur ersten Seite Eine Seite zurück Eine Seite vor Zur letzten Seite   Seitenansicht vergrößern   Gegen den Uhrzeigersinn drehen Im Uhrzeigersinn drehen   Aktuelle Seite drucken   Schrift verkleinern Schrift vergrößern   Linke Spalte schmaler; 4× -> ausblenden   Linke Spalte breiter/einblenden   Anzeige im DFG-Viewer
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/scheffel_sw7/0046
44 Epiſteln und Reiſebilder. I.

krieg ausbricht? Da hat der alte Frommherz wie einſt der
gereniſche reiſige Neſtor die Bergalinger Burſchen geſammelt,
und mit Prügeln wohlbewaffnet zogen ſie aus und lieferten
den Altenſchwandern eine Feldſchlacht, an der die Götter im
Olymp ihr Wohlgefallen haben mußten; — und keiner prü⸗
gelte ſo wie der lanzenkundige Frommherz, und die Alten⸗
ſchwander entliefen, einige aber waren ſo zugerichtet, daß ſie
auf der Walſtatt liegen blieben. Johann Frommherz — war⸗
um haſt du nicht vor 3000 Jahren gelebt? Du hätteſt dann
ſtatt den Polizeiinquirenten am Bezirksamt Säkkingen einen
Homer gefunden! —

Fortſetzung, den 2. Mai 1850.

Naoach dieſem Stück Epos vom Wald kommt ein Stück Kyrik,
ein Dorfgeſchichtlein. Da ſteht ein Bürſchlein von Wieladingen,
das ſchaut ſo ſchüchtern drein, als wenn es eine Zentnerlaſt
auf dem Herzen hätte; aber es „weiß von nüt“, es hat nichts
gefrevelt. Wart, Bürſchlein, man nimmt eine Konfrontation
vor und ſtellt dir einen Zeugen zu deiner überführung gegen⸗
über! Und was für einen ſchmucken Zeugen; — ein rot⸗
wangiges Wäldermaidlin mit kurzem Mieder und ſchwarzem
Pechkäpplein. „So, Maidlin, ſag's ihm ſelber ins Geſicht, was
er getan hat!“ Und das Maidli ſchlägt die Augen nieder und
wird rot und will nicht recht mit der Sprache heraus. „Friſch,
ſag's ihm!“ L
„Biſt du nicht in der Nacht vom Fridlinifeſt vor mein
Fenſter gekommen und haſt mir einen gar ſchönen Gruß her⸗
aufgerufen, und biſt du nachher nicht heraufgeklettert und haſt
zu meinem Fenſter hereinſteigen wollen? Und hab' ich dir
nicht geſagt, du ſolleſt drunten bleiben, du böſer Bub? Und
wie du halt doch haſt hereinſteigen wollen, hab' ich's Fenſter
zugemacht und dir die Finger eingeklemmt, ſo daß du haſt
müſſen „abi keien“ wie ein Mehlſack. Und haſt du nachher
nicht geflucht wie ein Türke und einen Bengel genommen und
alle Scheiben am Haus eingeſchlagen?“ —
O weh, o weh, das iſt auch wieder eine Sitte, die noch ärger
iſt als mittelalterliche Symbolik! 's iſt verdammt uncheva⸗
leresk von dem Burſchen, aus gekränkter Liebe ſeinem Schatz
alle Fenſter einzuſchlagen; — aber das Pärlein iſt ſo ſchön,
und das Maidlin ſelber hat gar keinen Zorn auf den böſen Buben


Zur ersten Seite Eine Seite zurück Eine Seite vor Zur letzten Seite   Seitenansicht vergrößern   Gegen den Uhrzeigersinn drehen Im Uhrzeigersinn drehen   Aktuelle Seite drucken   Schrift verkleinern Schrift vergrößern   Linke Spalte schmaler; 4× -> ausblenden   Linke Spalte breiter/einblenden   Anzeige im DFG-Viewer
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/scheffel_sw7/0046