Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., E 6990,mi-7/10
Scheffel, Joseph Victor von; Franke, Johannes [Hrsg.]
Joseph Victor von Scheffels sämtliche Werke: mit acht Kunstbeil. nach Gemälden von E. Grützner, A. Liezen-Mayer, Anton von Werner u.a., einer Kt. u. drei Handschriften (Bd. 7: Episteln und Reisebilder. I)
[1916]
Seite: 46
(PDF, 54 MB)
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46 Epiſteln und Reiſebilder. I.

Faſtnacht“, begraben oder verbrannt, und der Hauptſchalk hat
noch eine ergreifende Leichenrede dazu gehalten. Ihr armen
Teufel, da gibt's keinen Pardon; ihr habt nicht gewußt, daß
der Dienſt der Faſtnacht wie der der Freiheit ein harter iſt; der
Buchſtabe will ſein Recht, und Knoblauch, der Gefangenwärter,
muß ſein Opfer haben. Ab in Arreſt! Möge euch der Gedanke
verſöhnen, daß um die Lippen des Richters, der euer Urteil
ſprach, ein gewiſſes Etwas ſchwebte, woraus ein ſachkundiger
Mann den Wunſch herausleſen konnte: „O wäre ich lieber bei
euch und dem Begräbnis der alten Faſtnacht und bei dem mir
in Säkkingen faſt zum Mythus gewordenen Frühſchoppen ge⸗
weſen, anſtatt auf meiner Amtshöhle zu ſitzen und geduldiges
Papier mit ſchnöden Beſchlüſſen zu quälen!“ —
In bunten Reihen folgen die wechſelnden Geſtalten aufein⸗
ander. Jetzt hab' ich's wieder mit ein paar finſteren, trotzigen
Geſellen vom Wald zu tun, bei denen jeder Blick und jedes
Wort ein Proteſt gegen den Staat Baden im allgemeinen und
die Polizeigewalt insbeſondere iſt. Das ſind Salpeterer,
die wie eine Erinnerung aus alter Zeit in die preußiſch gefärbte
Gegenwart hereinragen; — ein Stück foſſil gewordener Bauern⸗
krieg. Die Wälder haben harte und zähe Schädel; was ſie
einmal gefaßt und ſich zurechtgelegt haben, das bleibt Jahr⸗
hunderte lang ſitzen. Deshalb ſind ihre Vorfahren auch lange
Zeit verſteinerte Heiden geweſen, wie St. Fridolinus ſchon
lange unten im Rheintal das Kreuz aufgepflanzt hatte, und
deshalb gehen jetzt noch ihre alten Traditionen von der reichs⸗
unmittelbaren Grafſchaft Hauenſtein und dem Grafen Hanns
von Hauenſtein, der ſeiner Zeit wieder erſtehen und die alte
goldene Zeit, wo ſie niemand über ſich haben werden als den
Kaiſer im Weltlichen und den Papſt im Geiſtlichen, herſtellen
würde, leibhaftig auf dem Wald herum, und die echten Salpe⸗
terer, ſo genannt vom ehemaligen Salpeterhans Fridolin Al⸗
biez, dem Anführer im Kampf gegen das Stift St. Blaſien, er⸗
kennen die badiſche Staatsgewalt, Amt und Pfarrer nicht an;
's iſt ihnen alles lediglich proviſoriſcher Zuſtand! Freilich
fechten ſie nicht mehr in hellen Haufen wie in ihren früheren
Salpeterkriegen, z. B. anno 1739, wo zum Schluß mancher
harte Schädel am Wald bei Albbruch vom Scharfrichter abge⸗
ſchlagen und auf den Galgen geſteckt, und manches Dutzend
anderer ins Banat verbannt wurde: aber die Lehre vom paſ⸗


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