Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., E 6990,mi-7/10
Scheffel, Joseph Victor von; Franke, Johannes [Hrsg.]
Joseph Victor von Scheffels sämtliche Werke: mit acht Kunstbeil. nach Gemälden von E. Grützner, A. Liezen-Mayer, Anton von Werner u.a., einer Kt. u. drei Handschriften (Bd. 7: Episteln und Reisebilder. I)
[1916]
Seite: 48
(PDF, 54 MB)
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  (z. B.: IV, 145, xii)



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48 Epiſteln und Reiſebilder. I.

die preußiſche Grenze? Hat Sſterreich den Krieg erklärt? Iſt
in Erfurt durch Stahl und von Gerlach die Republik prokla⸗
miert worden? — Nichts von alledem, aber das Unerhörte,
Himmelſchreiende iſt geſchehen, daß ein hieſiger Kaufmann
Tabakspäckchen verkauft hat, die auf der Innenſeite das Bild
des großen, kanonenbeſtiefelten Schutzheiligen aller Freiſchär⸗
lerei, das Bild — Heckers enthielten!
„Schleunige Unterſuchung! Dem Kerl den Laden ſchließen!!
Meldung ans Generalkommando!!! In die Kaſematten ab⸗
führen!!!“ — O du lieber Gott! und der beiſpielloſe Frevler
iſt ein ſo gutmütiger konſervativer, von Reaktion und Anar⸗
chie gleich entfernter badiſcher Staatsbürger und ſo unſchuldig
als ein neugeborenes Kind zu der Heckervignette gekommen.
Er hat einen einfachen Portorikoknaſter in Ulm beſtellt, und
der Ulmer Fabrikant hat, wahrſcheinlich weil auch in Ulm der
Heckertabak der Polizei etwas zu ſcharf war, die Etiketten mit
Heckers Bild umdrucken und mit der Portorikovignette ver⸗
ſehen laſſen, ſo daß nur im tiefſten Innern, auf der Rückſeite,
von des Knaſters Wellen begraben, das Heckerbild ſein küm⸗
merliches Daſein friſtete, — und hat ein paar von dieſen ver⸗
wandelten Tabakspäckchen ſeinem Geſchäftsfreund in Säkkin⸗
gen geſchickt und nicht daran gedacht, daß ein preußiſcher Sol⸗
dat ſothanen Portoriko rauchen und das Päckchen einmal um⸗
wenden würde, um die grauenhafte Entdeckung zu machen,
daß dieſer Hecker unvermeidlich iſt und ſogar im Innern von
ſchlechten Tabakspäckchen noch im Jahr 1850, bei vollendeter
Reſtauration, wiederhergeſtelltem Papſt und von Hſterreich zu⸗
ſammenberufenem Bundestag zum Vorſchein kommen muß!
Schmerz, laß nach! 's iſt ſchade, daß ich nicht Zeit genug
habe, um Euch noch ein paar Dutzend weitere Stücklein aller
Art zu erzählen, zum Beleg dafür, welchereiche Quelle von Poeſie
jeder Art in der ſchnöden Polizei verborgen fleußt. — Trotz die⸗
ſes poetiſchen Duftes aber, der meine Polizeihöhle umſchwebt,
iſt mir's nie wohler und melodiſcher zumute, als wenn ich ihr
Valet ſage und hinausziehe in den grünen Tannenwald oder
an den alten Vater Rhein. Und es gibt Momente, wo der
Polizeireſpizient ſich lediglich in Poeſie auflöſt, und wo ſich
dann doch zeigt, daß Poeſie und Polizei nicht ganz identiſch
ſind, indem er ſich dann durchaus polizeiwidrig aufführt.
Ein ſolcher Moment war neulich am erſten Mai. Da ſind


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