Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., E 6990,mi-7/10
Scheffel, Joseph Victor von; Franke, Johannes [Hrsg.]
Joseph Victor von Scheffels sämtliche Werke: mit acht Kunstbeil. nach Gemälden von E. Grützner, A. Liezen-Mayer, Anton von Werner u.a., einer Kt. u. drei Handschriften (Bd. 7: Episteln und Reisebilder. I)
[1916]
Seite: 69
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  (z. B.: IV, 145, xii)



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Aus den rhätiſchen Alpen. 69

Aktien neuerdings ſeit Mone, Keferſtein, Broſi uſw. merklich
in die Höhe geſtiegen ſind, mitarbeitet, der möge dieſe Namen
einer nähern Prüfung unterziehen. Die zackigen Kuppen des
Sixmadaun und Badüs, das Horn, in dem der Gletſcher von
Medels liegt, der Bernatſch, das von grünem Grasboden be⸗
namſete Tal Tavetſch, die Orte Sedrun und Rüäras uſw. haben
weder germaniſche noch romaniſche Taufpaten gehabt.
Auch der heutige Graubündner Oberländer iſt noch großen⸗
teils mit keltiſchen Familiennamen behaftet. Der Kelte nannte
ſeine Geſchlechter nach dem Haus, das ſie bewohnten, daher
die vielen mit Ca (Haus) anfangenden Eigennamen; ſo heißen
die, welche zum Haus des Vornehmſten, des Herrn, gehören,
Cafliſch (klisch belgokeltiſch = Herr); die, deren Hütte im
Moorboden (risch) ſtand, die Cariſch (daher auch der emſige
Forſcher Profeſſor Cariſch zu Chur ſchon vermöge ſeiner Ab⸗
ſtammung zu den Graubündner Sprachſtudien berufen iſt, deren
Reſultate er in ſeinen romaniſchen Wörterbüchern und Gram⸗
matik niedergelegt hat) — ähnlichen Wortbildungen haben
die Caduſch, Cameniſch, Carim ihre Namen zu danken, und in
ſpätern Zeiten, als ſchon romaniſche Vornamen ins Tal ge⸗
kommen waren, wurden die, ſo im Haus des Jakobus oder Al⸗
bertus ihren Unterſchlupf hatten, in altkeltiſcher Analogie die
Cajakob und Cadelbert geheißen.
Denjenigen, die in keltiſche Studien ſo innig verliebt ſind,
daß ſie antike und moderne Welt vor den Verdienſten des kel⸗
tiſchen Urvolks um „Lebens⸗ und Staatsweisheit“ in vollſtän⸗
digen Hintergrund ſetzen, überlaſſen wir den Nachweis, daß
auch die einfache Dorfſchafts⸗ und Gemeindeverfaſſung, die ſich
in den verſchiedenen Graubündner Föderationen zu einem ſo
eigentümlich gelungenen politiſchen Ganzen zuſammenbildete,
in dem keltiſchen Blute der Ahnen der heutigen Cajakob und
Cafliſch ihren Urſprung hat, da ja das Streben nach „geſetz⸗
licher Freiheit und Volksherrlichkeit, geordnetem Gemeinde⸗
weſen und Eigentumsrecht“ — wie uns Broſi in ſeinen Kelten
und Alt⸗Helvetiern, Solothurn 1851, ſattſam belehrt — der
Grundzug keltiſchen Weſens ſein ſoll. .
Unten im Wirtszimmer ſaß der junge Führer von Rüäras,
ein ſchmucker, ſchwarzgelockter Burſche, der Kelten und alte
Mönchsgeſchichten ruhig dem Totenſchlaf überließ und ganz
andere Dinge ausheckte, wenigſtens ſang er mit einem Ge⸗


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