Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., E 6990,mi-7/10
Scheffel, Joseph Victor von; Franke, Johannes [Hrsg.]
Joseph Victor von Scheffels sämtliche Werke: mit acht Kunstbeil. nach Gemälden von E. Grützner, A. Liezen-Mayer, Anton von Werner u.a., einer Kt. u. drei Handschriften (Bd. 7: Episteln und Reisebilder. I)
[1916]
Seite: 78
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  (z. B.: IV, 145, xii)



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78 Epiſteln und Reiſebilder. I.

einen. Eine prachtvollere Umſchau als von hier hat Graubün⸗
den nicht.
Rückwärts ragen die hohen Hörner glarneriſcher und Ober⸗
länder Alpen über das vordere Rheintal, das ſich hier mächtig
ausweitet; in der Tiefe vor uns glänzen die hellen Dächer von
Reichenau, nordöſtlich ſchaut Chur aus dem Seitental der
Pleſſur herüber, überragt vom fernen Sceſa Plana, üppige Fel⸗
der und Waldungen ziehen ſich in dem von beiden Rheinarmen
gebildeten Delta an die weißgrauen Nagelfluhhöhen hinüber,
von denen herab ſich die Mauern des alten Schloſſes Rhäzüns
(Rhætia ima) im Hinterrhein ſpiegeln, und über Rhäzüns
hinüber ſtreift der Blick in das burgenreiche Tal Domleſchg,
das ſich gen Thuſis hin zuſammenzieht bis an die durch zuſam⸗
mengepreßte Felswände weiter zum Splügen führenden Schluch⸗
ten der Via mala. Die wilden Berghöhen ringsum, die reiche
Vegetation an den Ufern der beiden Rheine, wo jetzt neben dü⸗
ſtern Arvenſtämmen Kaſtanie und Nußbaum gedeihen, Dörfer
und Schlöſſer in der Ferne und als Vordergrund das gewaltige
Hohentrims — alles wirkt hier zu einem Landſchaftsbild zu⸗
ſammen, des farbenkundigſten Meiſters ein würdiger Stoff.
Steil ab über Tamins fällt die Straße nach Reichenau her⸗
unter. Im ſchönen Garten des Schloſſes der Herren von Plan⸗
ta Reichenau läßt ſich die Einigung von Vorder⸗ und Hinter⸗
rhein, die beide hier von alten Holzbrücken überbaut ſind, noch⸗
mals überſchauen.
Die Geſchichten von Ludwig Philipps erſtem Exil dahier, der
als Mr. Chabaud 1793 Mathematik lehrte, den auf breiter
Heerſtraße am calandabedrohten Dorf Felsberg vorüber nach
Chur führenden Weg, Chur ſelbſt ſamt ſeinem kürzlich entdeck⸗
ten Moſaikboden überlaſſen wir andern Schilderungen, nehmen
von Joſeph Antony von Trons wehmütig Abſchied und brechen
weiter auf — engadinwärts. G
Von Chur ſüdoſtwärts ſteigt die Straße gen Malix hin und
führt durch kühle Fichten⸗ und Lärchenwälder bis in das Ge⸗
biet des Zehngerichte⸗Bundes. Hiezu gehört, am Fuß des
Rhätikon und an der Grenze des vorarlbergiſchen Montafun
das Prättigau im Tale der Landquart bis zu deren Mündung
in den Rhein, wo in der Herrſchaft Maienfeld und Malans der
goldgelbe rhätiſche Rheinwein kompletter (— et quo te carmine
dicam, rhaetica vitis?) von der Sonne ausgekocht wird; fer⸗


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