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Ein Bericht aus Welſchland. 105
Caput IV.
Item, ſo hab ich mich lang in Mailand umgetan, viel alter
Kunſt und Kirchenbau angeſehen und ſchließlich Durſt bekom⸗
men. Find auf der piazza d'armi, wo das Kaſtell mit ſeinen
alten Mauern die Stadt dominiert, einen Schild „Deutſches
Bierhaus“. Wie ich eintret, ſitzen ein paar Öſterreicher Offi⸗
zier da und eine Geſtalt, wie ich ſolche noch nie erſchauet.
Trug einen ſchwarzſeidenen Rock bis an die Knöchel, ſtreng zu⸗
geknöpft, darüber einen ſchwarzen Kaftan mit Schlappärmeln,
ſo ganz mit roter Seide gefüttert war, item einen breiten
ſchwarzen Hut mit goldenen Quaſten, war auch mit einer
großen Medaille geſchmückt und hatte ein Brevier bei ſich.
Alſo war dies der nicht⸗unierte griechiſche Feldkaplan, ſo zu
Nutz und Fromm der Raizen und Oguliner erſt vor ein paar
Tagen angekommen war und nun, gerade von einer Amtshand⸗
lung zurückgekommen, im vollen Ornat in dieſer Kneipe einen
Frühſchoppen aufſuchte. Scheint aber das griechiſche Dogma
mit ſich zu bringen, daß der Frühſchoppen ſehr kombiniert aus⸗
ällt.
Frug ihn ein Offizier: Herr Feldprediger, was trinken S'
heut? Alſo erwiderte derſelb ernſt und gemeſſen: „Der Feld⸗
prediger trinkt erſt einen Slivovitz, hernachmals ein Seidel
und darauf ein Glas Erlauer geſetzt, iſt gut gegen Hitz und Ko⸗
lik.“ — Der Mann fing an, mir Hochachtung abzunötigen, und
abſtrahierte mir, daß an der Oſtgrenze wenigſtens gute Keime
künftiger Kultur aufkeimen. Wie derſelbe aber vollends die
Italienerinnen abfertigte, ſtieg meine Hochachtung zum Gipfel.
Hatte ſich nämlich eine Gruppe Italienerinnen verſammelt,
ſo mit gewaltiger Neugier den signor prete forestiere muſter⸗
ten, und drängten ſich an ihn heran und prüften ſeinen präch⸗
tigen Anzug und taſteten ſein Gewand nach allen Richtungen
durch, um zu ſehen, wieviel Seide verwendet ſei. Und der
Kapellan ließ ſich ſelbes ruhig gefallen, wie ſie aber gar zu
zudringlich wurden und ihn eine fragte, ob denn alles mit Seide
gefüttert ſei, da hob er langſam und würdig ſein ſchwarzes
Untergewand über die fein gefirnißten Stiefel hoch auf —
und ſtand da in blanken, knappen Unterhoſen und ſprach:
Questo no, illustrissime!! Wie aber das mailändiſche Weiber⸗
volk dieſe nicht⸗unierten Unterhoſen anſichtig wurde, da ergriff
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