Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., E 6990,mi-7/10
Scheffel, Joseph Victor von; Franke, Johannes [Hrsg.]
Joseph Victor von Scheffels sämtliche Werke: mit acht Kunstbeil. nach Gemälden von E. Grützner, A. Liezen-Mayer, Anton von Werner u.a., einer Kt. u. drei Handschriften (Bd. 7: Episteln und Reisebilder. I)
[1916]
Seite: 106
(PDF, 54 MB)
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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/scheffel_sw7/0108
106 Epiſteln und Reiſebilder. I.

ſie ein jäher Schreck, und ſie verſchwanden mit hellem Geſchrei.
— Der Kapellan aber ſagte zu einem öſterreichiſchen Offizier,
der ihm ob dieſes Hoſenmangels ſein Erſtaunen ausdrückte,
„Glauben S' denn, daß i bei der Hitz für die Italiener auch
noch ein paar ſchwarze Oberhoſen anziehen werd?“ Alſo trank
derſelb ruhig ſein Seidel weiter.

Caput V.

Hier ſchließt der erſt Bericht des Doctoris Scheffel. Und ſitz
ich zur Zeit in Genua und ſchau vergnüglich aufs blaue Meer
hinaus und hab noch kein Heimweh nach Bruchſal. Bitte zu
entſchuldigen, daß ich unfrankiert ſchreib, aber Piemont gehört
nicht zum Briefmarkenverein. Von Rom wird frankiert. Und
werd' ich heut noch nach Livorno ſteuern, und wenn ich in Rom,
café greco, einmal eine Epiſtel des Engern vorfinde, ſo ſoll
mir das eine große Freude ſein, und hoffe zuverſichtlich dar⸗
auf, denn ein Gruß aus germaniſchen Landen tut in dieſer
welſchen Fremde doppelt wohl. „Der Wein in Genua taugt
nicht viel.“ Förſter Reiſehandbuch, pag. 248.
Mit viel herzlichen Grüßen an Alt⸗Heidelberg.

Römiſche Epiſteln.

Roma, den 2. Novembris, — uff Aller Seelen Tag 1852.

via delle 4 fontane na 17, piano.

Ein großer Bericht des Dris. Scheffel an den wohllöblichen, feſten und — ſo
die Zeyten ſich nit geändert — jetzt wie ehedem und allweg durſtigen „Engeren“
zu Alt⸗Heydelberg am Neckar.

Schier hab ich zu fürchten, daß meine lieben und ehren⸗
werten Freunde in der Heimat mich zu den Toten und Begra⸗
benen rechnen, maßen ich ſeit frühem Sommer, wo die Sonn


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