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Römiſche Epiſteln. G 107
noch hoch am Himmel ſtund und ich aus der Seeſtadt Genua
weiters gen Welſchland gefahren, kein Lebenszeichen mehr von
mir gegeben. Inzwiſchen iſt viel Waſſer den Rhein ab, —
auch viel Weines halsabwärts gefloſſen, und ſteht zu hoffen,
daß der Engere ſein Winterquartier bezogen, daß der Wild⸗
bader Fascikel ſub. Lit. M. & K. Rubr.: „Fremdenpolizei, ſit⸗
tenwidriges Zuſammenleben betr.“ längſt reponiert, und daß
der würdige Vorſtand von ſeiner Fahrt zu den oberbayeriſchen
Brunnhäuſern mit heiler Haut und unangetriebenen Felber
zurückgekehret, — auch bereits ergötzliche Fata auf den Tiſch des
Hauſes niedergelegt — und ſollte mir baß zur Freud gereichen,
wenn er etwannen in oder um Roſenheim von einer ſicheren
Jungfrau Thereſia Aſchenlocher, bürgerlicher Zimmerbaliers⸗
und Hausbeſitzerstochter eyn näheren Bericht erkundet hätte und
mir mitteilen wollt.
Auch ich hab mich wieder ins Winterquartier heimgezogen
— und nachdem ich vier Monat lang weder eyn Tintenfaß ge⸗
ſehen, noch eyne „Allgemeine“ geleſen, dagegen meine Stiefel
auf ſteinigen Bergpfaden in albaniſchen, ſabiniſchen und vols⸗
kiſchen Regionen namhaft krumm getreten, mit ſamnitiſchen
Autochthonen in dunkeln Spelunken den roten Landwein her⸗
ausgeſpielt, mit Honoratioren, die ſich ſpäter als calzolaji de⸗
maskierten, nach welſchem Schuſtersbrauch hab trinken müſſen,
auch von der Schweinhirtin Filumena zu Civitella eynen rüh⸗
renden Abſchied genommen — bin ich glücklich und von Räu⸗
bern unangefochten, ſo vielleicht Wind davon bekommen, daß
ich in der casa Baldi zu Olevano nit nur den letzten bajokk
hab ſitzen laſſen, ſondern auch noch etzliches ſchuldig geblieben,
mit Hülfe des ſchnöden Vetturin Raganelli von Genazzano
gen Rom gefuhrwerkt worden und ſteige ſeit zwölf Tagen mit
einem friſchgewaſchenen Vatermörder — ſtolz, wie man den
Spanier liebt — die ſpaniſche Treppe zum Corſo hinunter.
Hab mich überhaupt wieder ſo ziviliſiert, daß ich geſtern zum
erſtenmal wieder angebettelt worden, was mir in den letzten
Monaten des Landlebens nit mehr paſſierte, denn wenn Schach⸗
leiter wüßte, in welch äußerem Habitus und Aufzug ſein jün⸗
gerer Kollega in den passen am Monte Cavo und anderwärts
herumgeſtiegen, — er würde zu ſeinem Hund Pfeffer ſagen:
„Guck, Feffer, wie ſich eyner in den Menſchen irren kann;
ſo wenig Wohlanſtändigkeit war dem jungen Mann, wie er
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