Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., E 6990,mi-7/10
Scheffel, Joseph Victor von; Franke, Johannes [Hrsg.]
Joseph Victor von Scheffels sämtliche Werke: mit acht Kunstbeil. nach Gemälden von E. Grützner, A. Liezen-Mayer, Anton von Werner u.a., einer Kt. u. drei Handschriften (Bd. 7: Episteln und Reisebilder. I)
[1916]
Seite: 108
(PDF, 54 MB)
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108 Epiſteln und Reiſebilder. I.

als noch in Bruchſal unter gebildete Leut war, kaum zuzu⸗
trauen.“
Hier in Rom, wo ſich der Menſch nach langem Landaufent⸗
halt erſt wieder erinnert, daß er in jungen Tagen Leſen und
Schreiben gelernt, iſt es aber meine erſte Pflicht und Schuldig⸗
keit, dem Engeren für ſeine epistola encyclica meinen Dank
abzulegen, denn die hab ich erhalten — erhalten mit Freud und
mit Not, und war eyne große Geſchichte — denn in Italien
kommt's nicht alle Tag vor, daß der Menſch eynen Brief er⸗
hält, und iſt darum eyn Ereignis; — ſo zum Beiſpiel meine
Freundin, die braune Lala in Olevano, wie die von eynem
pittore aus Frankfurt eynen Brief zugeſendet bekam, ſo iſt
derſelbig nit nur zum mindeſten ſiebenmal an verſchiedenen
Gegenden verleſen worden, ſondern auch des nächſten Sonn⸗
tags ging ſie mit dem Brief zur Kirche, als wie man ander⸗
wael eyn Gebetbuch trägt, und zwar die Adreſſe nach außen
gekehrt.
Alſo, wie mich böſer scirocco im Auguſt nach Albano ver⸗
trieben hatte, kamen erſt dunkle Gerüchte an mein Ohr, es läg
zu Rom im café greco was Namhaftes für mich. Dauert auch
keine zwey Tag, ſo kommt eyn ſicherer Meier ins Gebirg
und vermeldet, es ſey eyn Brief da und außerdem eyn Avis⸗
ſchein, daß auf der Poſt was Bedeutendes angekommen ſey
oder liege — und es werd eyn Wechſel oder bar Geld ſein, denn
derlei wird in Rom nit an die Adreß abgegeben, ſondern muß
am uffizo perſönlich geholet werden, mit Paß und carta di
soggiorno und für viel bajokk. Des näheren wußt aber auch
ſelbſt Meier nichts, was in dem Aviſo ſtünd. Alſo dacht ich
ſcharf hin und her, von wannen mir eyn Stück Geld oder Gel⸗
deswert als wie eyn Meteorſtein vom Himmel gen Rom hätt
fallen mögen; ſimulierte auch, ob etwa die „Augsburger“ für
nicht abgedruckte historia nigrae silvae eyn Schmerzensgeld
ſpendierte, — oder ob irgend eyn unbekannter Freund, der ſich
zu mir, wie Ernſt Förſter zu ſeinem Bruder, dem Unvermeid⸗
lichen „ſeit ſeiner frühen Kindheit Tagen mit eyner großen
Schuld getragen“ ſelbige ex improviso abzahlen wollt — und
wie wohlen ich auf kein ſichere Spur kommen konnt, beſchloß
ich doch auf Rat guter Freunde, jählings nach Rom zu fahren,
und fuhr auch an eynem hellen Sommertag mit dem Friedens⸗
richter von Ariccia durch die Campagna und hatt unterwegs


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