Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., E 6990,mi-7/10
Scheffel, Joseph Victor von; Franke, Johannes [Hrsg.]
Joseph Victor von Scheffels sämtliche Werke: mit acht Kunstbeil. nach Gemälden von E. Grützner, A. Liezen-Mayer, Anton von Werner u.a., einer Kt. u. drei Handschriften (Bd. 7: Episteln und Reisebilder. I)
[1916]
Seite: 109
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Römiſche Epiſteln. 109

noch das Vergnügen, demſelbigen vier Stück Hühner, ſo er
den Bauern abgeſchunden, die aber die Gelegenheit wohl er⸗
fahren, vom Dach des Wagens ſich aufzuſchwingen und lieber
gen Tivoli zu fliegen, als in Rom von der Frau Friedensrich⸗
terin verſpeiſt zu werden, wieder eynfangen zu helfen, worauf
er zum Dank eine conversationem mit mir anhub, aus der ich
erſah, daß er von Deutſchland nit Anderes wußte, als daß dort
eyn berühmter Profeſſor des juris ecclesiastici gelebet, deſſen
Name 12 oder 15 Silben habe und beiläufig auf Weichſel⸗
oder Wanzelgrueber endige — was er aber ebenſowenig aus⸗
ſprechen konnt, als mir jemals ein ſolcher Canonist zu Geſichte
gekommen.
Wie ich nach Rom einfuhr, war grad viel Aufregung, und
ſtanden Gruppen an den Straßen, eine proclamationem der
hohen Polizey gegen die ladri malvolenti, sgrassatori, infe-
statori delle strade uſw. zu leſen, maßen in dieſem Jahrgang
auch die Räuber auf verſchiedenen Heerſtraßen des Kirchen⸗
ſtaats mannhaft an der Reſtauration des status quo arbeiten.
Komm aber endlich ins café greco — frag nach dem großen
unbekannten Aviſo und erhalt folgendes Aktenſtück:

Karlsruhe, 20. Aug. 52. Nro. 13077.
Die O. P. Direktion des Großh. Baden benachrichtigt Sie,
daß ſich auf dem Poſtamt zu Heidelberg ein an Sie adreſſier⸗
ter Brief befindet, welcher wegen unterlaſſener Frankatur
nicht befördert werden konnte. Man erſucht Sie, denſelben
durch einen Ihrer Korreſpondenten in Heidelberg frankieren
zu laſſen uſw. Taxe 15 Kreuzer.

Nachdem ich dieſe Taxe, die inzwiſchen um mehrere bajocchi
angeſchwollen war, entrichtet und nach dem Brief gefragt, er⸗
halt ich — neben beſagtem Aviſo, und gleichzeytig in Rom
angekommen, den betreffenden encycliſchen Heidelberger Brief,
aus deſſen doppeltem Poſtſtempel zu ſchließen, — daß neben dem
geordneten Geſchäftsgang, der mir ſchließlich eynen Plenarbe⸗
ſchluß Nro. 13077 zuzog, noch eyn mündliches Verfahren im
Engeren, oder beim l'hombre, etwa zwiſchen Herrn Poſtrat
Eberlin und „eynem meiner Korreſpondenten“ ſtattgefunden,
ſo den gordiſchen Knoten ſchneller löſte als beſagte Nro. 13077.
War ſomit zwar die Hoffnung auf eynen Wechſel jäh ver⸗
ſchwunden, und ſobald ich die Worte „epistola encyelica“ ge⸗


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