Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., E 6990,mi-7/10
Scheffel, Joseph Victor von; Franke, Johannes [Hrsg.]
Joseph Victor von Scheffels sämtliche Werke: mit acht Kunstbeil. nach Gemälden von E. Grützner, A. Liezen-Mayer, Anton von Werner u.a., einer Kt. u. drei Handschriften (Bd. 7: Episteln und Reisebilder. I)
[1916]
Seite: 111
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Römiſche Epiſteln. 111

ſich gebracht, hineynzugreifen brauch. Gedenk daher des Abends,
beim Schein der dreyarmigen römiſchen Lampe, hier mannig⸗
fache ethnographiſche notitias aufzuſetzen, — woraus der En⸗
gere zugleich ſich überzeugen mag, daß ich allhier in Rom die
Abendſtund mit Verbreitung nützlicher Kenntnis ausfülle.

Rom, den 8. Novembris 52.
Wie in Welſchland ſo vieles hinterfür inſtituieret iſt, alſo
auch die Jahreszeyt. Bin ich im Monat Octobris aus dem
Sabinergebirg heimgezogen, weil daſelbſt eyn ſo ſcharfer Wind
zu blaſen anhub, daß ſelbſt Meiſter Zielke aus Düſſeldorf, ſo
ſonſt ein hartgeſottener Landſchaftsmaler iſt, von erklecklicher
Sehnſucht nach ſeinem alten Flausrock befallen ward, den er,
ſowie ſeine Liebe, in der Heimat gelaſſen; und hat mir dazu⸗
malen der Wein, ſo uns die brave Regina zur Erquickung
beim Zeichnen auf den Berg von Civitella ſchickete, nit mehr
gemundet, vielmehro mich kältlich angefröſtelt — und wie ich
anfang, mich in Rom für den Winter zu bereiten, kommt die
alt Sonn mit wahrer Frühlingswärme aufzugehen und ſcheint
ſo vergnüglich auf die alt Weltſtadt, daß kein Bleibens daheim
iſt. Derohalb hab ich auch meine epistolam nit continuieret,
ſondern bin weit umhergeſtiegen in der Campagna, und iſt
dieſelb mit ihrer weiten, toten Fläch, mit ihrem großen
Trümmerwerk und mit den Bergen im Hintergrund eyn gar
feiner Anblick, wiewohlen ich die „Wurzel des Heimwehs“,
die, wie Erneſtus Förſter p. 494 erwähnt, „dem nordiſchen
Wanderer daſelbſt regelmäßig zu verdorren pflegt“, dort noch
nit vorgefunden. Gedenk aber, wann ich ſie eynmal aufbotani⸗
ſier⸗ dem Erfinder dieſes tropi unfrankieret gen München zu
chicken.
Alſo bin ich exempli causa draußen geweſen am Thybris,
ſo noch immer ſeine blonden Wogen gen Rom wälzet, aber
ſehr träg, als wann er die ganz Geſchicht ſatt hätt — und ſteht
in einem Buſchwerk dort eyn Sauerbrünnlin, ſo die Römer
aquam acetosam nennen, und die Franzoſen haben dort eyn
großen Spektakul mit Heeresübung und ſcharfem Schießen ver⸗
übet, als wenn das imperium ſchon morgen die Welt wieder
eyn bißlein durcheynand ſchütteln ſollt. Und iſt der alt Thybris
ſehr verdrießlich daneben her gefloſſen, gleichſam als wenn er
ſagen wollt: Ihr braucht kein ſo Lärm zu machen, ihr werdet


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