Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., E 6990,mi-7/10
Scheffel, Joseph Victor von; Franke, Johannes [Hrsg.]
Joseph Victor von Scheffels sämtliche Werke: mit acht Kunstbeil. nach Gemälden von E. Grützner, A. Liezen-Mayer, Anton von Werner u.a., einer Kt. u. drei Handschriften (Bd. 7: Episteln und Reisebilder. I)
[1916]
Seite: 113
(PDF, 54 MB)
Bibliographische Information
Startseite des Bandes
Zugehörige Bände
Freiburg und der Oberrhein

  (z. B.: IV, 145, xii)



Lizenz: Public Domain Mark 1.0
Zur ersten Seite Eine Seite zurück Eine Seite vor Zur letzten Seite   Seitenansicht vergrößern   Gegen den Uhrzeigersinn drehen Im Uhrzeigersinn drehen   Aktuelle Seite drucken   Schrift verkleinern Schrift vergrößern   Linke Spalte schmaler; 4× -> ausblenden   Linke Spalte breiter/einblenden   Anzeige im DFG-Viewer
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/scheffel_sw7/0115
Römiſche Epiſteln. 113

zu der unziemlichen Bemerkung veranlaßte: due bajocchi!
O quell' ladro! —
Item eyn andermal hab ich eyne Pilgerfahrt getan in das
Tal der Nymphe Egeria, ſo bekanntlich eyne Freundin des
Königs Numa war, bei welcher Gelegenheyt ſelber als erſter
römiſcher legislator ſich über den Begriff des concubinatus,
wie es eynem frommen Juriſten ziemet, aufklärte. Und iſt eyn
weiter Weg durch das alte Rom, am Colosseo und an den
Thermen Caracallae vorüber, bis zur porta S. Sebastiano,
deren Mauern weyland Narſes gegen unſere Landsleut, die
Gothen, hat bauen laſſen. Scheinen auch ſchon andere gute
Landsleut desſelben Wegs gezogen zu ſeyn, maßen ich draußen
an der via Appia eyn Kirchlein geſehen, ſo an ſeinem alten
Portal die Inſchrift träget: S. Leodegarius et Sa. Hermene-
gild Altimannia, und hat mich dies alte longobarder Kirch⸗
lein mehr gerühret als alle Pracht von Sankt Peter, wo ſie
mir, als ich den heiligen Vater zu ſchauen, pflichtſchuldig im
ſchwarzen fracco mich eyngeſtellet, mein groß ſeiden Taſchen⸗
tuch geſtohlen und nur den Hausſchlüſſel gelaſſen haben. Und
wiewohl mich eyn Römer zum Troſt verſichert, es ſeyen keine
Bürger von Rom, ſo ſolch Handwerk treiben, ſondern „scuola
Napolitana“, ſo ſoll doch eyn Heiligkreuzdonnerwetter drein
ſchlagen, daß die Spitzbuben mich, der mit Paul Baumgartner
von Harpolingen und dem Strittmatter Fridli von Hogſchus
fertig geworden, in der Sankt Peterskirche zu Rom ſo dran
gekriegt.
Item, ſo zogen wir an der heiligen Hermenegildis vorüber
— und kamen, an vielerley Ruinen von Columbarien und
kleinen Tempeln vorbei, in das Tal der Egeria; und iſt ſelbes
eyn ſchöner ſtiller Platz, wo mächtige, immergrüne Eichen
wachſen, und der Blick gar fröhlich ausſchweift nach den Trüm⸗
mern ringsum, und den Hügeln und großen Aquädukten der
Campagna und nach den wohlbekannten albaniſchen Bergen.
Und bei dem heiligen Steineichenhayn, in welchem eyn epigo⸗
niſcher Juriſt auch jetzt noch, im Fall der Not, mit eyner
Nympha oder andern anſtändigen Perſon recht angemeſſen
promenieren könnt, iſt eyne Grotte anmutig im Felſen gebauet
und rieſelt itzt wie ehdem der geweihete Quell der Egeria.
Und iſt das Waſſer recht lind und kühl und von wohltätiger
Wirkung. Gleichet nämlich nit im mindeſten denen Quellen

Scheffel. VII. 8


Zur ersten Seite Eine Seite zurück Eine Seite vor Zur letzten Seite   Seitenansicht vergrößern   Gegen den Uhrzeigersinn drehen Im Uhrzeigersinn drehen   Aktuelle Seite drucken   Schrift verkleinern Schrift vergrößern   Linke Spalte schmaler; 4× -> ausblenden   Linke Spalte breiter/einblenden   Anzeige im DFG-Viewer
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/scheffel_sw7/0115