Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., E 6990,mi-7/10
Scheffel, Joseph Victor von; Franke, Johannes [Hrsg.]
Joseph Victor von Scheffels sämtliche Werke: mit acht Kunstbeil. nach Gemälden von E. Grützner, A. Liezen-Mayer, Anton von Werner u.a., einer Kt. u. drei Handschriften (Bd. 7: Episteln und Reisebilder. I)
[1916]
Seite: 115
(PDF, 54 MB)
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Römiſche Epiſteln. 115

„Ne in Facchinum!“ ſprach Atticus, als er morgens mit
Kopfweh erwachete.
„Valde à propos!“ Cicero zum Laternenanzünder am Ap⸗
piſchen Tor, als er ſeine Zigarre an deſſen Licht anſteckte. —
Jacet ingens litore truncus. Es liegt eyner am Straßen⸗
graben, der ungeheuer betrunken iſt, Vergilius uſw.
Item, wurde auch von meinen lieben Landsleuten auf dem
Heimweg das Lied vom Jäger aus Kurpfalz ſo klangvoll ab⸗
geſungen, daß der Torwart an porta Sebastiano eyn ſeltſam
ſchiefes Antlitz machte. — Item in ſolcher Weis nützlichen
Studien (cf. Zell, Ferienſchriften, die Wirtshäuſer der Alten)
ſind mir die Tag verfloſſen, und hab erſt geſtern wieder in
der Palombella am Pantheon mit eynem ſchleswig⸗holſteini⸗
ſchen Rittmeiſter eynen harten Strauß in Orvieto zu beſtehen
gehabt — alſo daß mich der Engere für rite excusatum an⸗
ſehen mag, daß mein Bericht noch gar nit begonnen iſt. Denn
all dies iſt nur eyne introductio. Kann aber heut nit mehr
ernſt und chronologiſch beginnen, maßen eben meine deutſchen
Hausgenoſſen kommen und trotz aller sententia des Atticus

ſagen, es ſey Zeyt in Facchino zu gehen.

Rom, den 10. Novembris 52.

Allhie hebt an der Bericht ſelbſt — von allerhand Fahrt, Erlebnis, Zehrung,
Trinkung, Herberg und ſonſt — in welſchen Landen, ſeyt May dieſes Jahrgangs.

Caput I.
Von Florenz im Toscaniſchen und diverſem etruskiſchem Weſen und Landbrauch.

So eyner es vermeiden kann, ſeinen Fuß in der Hafenſtadt
Livorno ans Land zu ſetzen, ſo ſoll er es kecklich tun und wird
es nit bereuen. Denn es iſt zwar kein Kleines, eyne Nacht bei
unruhiger See auf dem mittelländiſchen Meer herumzufahren,
und wie ich in die Kajüt eyntrat, ſprach ich denſelben Spruch,
den bereyts eyn märkiſcher Graf Itzenplitz in das Beſchwerden⸗
buch auf der Poſt zu Langenſalza mit Unterſchrift ſeines Na⸗
mens eyngetragen: „Pfui Teufel, wie ſtinkt's hier!“ — lieh
mir alſo eynen rauhhaarigen Schiffermantel und legte mich
die Nacht auf das Verdeck und ſchaute zu den Sternen, und
wurde mir ſehr klar, daß die Erd ſich um die Sonne drehe
und nit ſtill ſtehe, und wurde mir auch das alte Lied von
8*


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