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Römiſche Epiſteln. 121
in pleno zu unterbreiten und mir eyne instructionem für ähn⸗
liche Vorkommnis auszubitten, ſintemal als ſchon die mannig⸗
fach Löſung, ſo wir damals ſelber verſuchten, eyn argumen-
tum dafür iſt, welch verſchiedentlicher combination dieſer
casus unterlieget.
Schlug nämlich die Signora vor, der arciprete, als der
Sprach am beſten kundig, ſolle mit der Lamp ins untere Ge⸗
bäud gehen, ſehen, ob er in eyne Kammer der Wirtsleut eyn⸗
fallen vermöcht und dort anderweyte Beleuchtungsinſtrumente
beſchaffen. Allein hiegegen opponierte der arciprete mit
Grund: abgeſehen von der ſehr wahrſcheinlichen Möglichkeyt,
daß gar keine anderweyten Lichter in dieſer elenden Herberg
ſeyen, könne er pro primo ohnmöglich dazu beitragen, die
Signora mit eynem giovane professore, ſo ihr ſoeben die Ge⸗
ſchicht der Francesca da Rimini erzählet, im Dunkeln zu laſ⸗
ſen, pro secundo aber könne eyn ungefährer Luftzug oder
Wind ihm in währender Expedition auch noch das eynzige und
letzte Licht ausblaſen, und pro tertio wiſſe er kein Beſcheyd in
dieſer Spelunken, alſo daß er, mit der Lamp durchs Haus
ſchleychend, mißgeſchickterweiſen an eyne Magdkammer und in
böſe suspiciones geraten könne. — Worauf er, um ſeyn eyge⸗
nen weyſen Rat erſucht, proponierete, man ſoll ihm die groß
Lamp geben, damit er ſich ſelber könnt zum Schlafen rüſten, er
woll dieſelbe ſodann vor die Tür ſeiner camera zu dispositio-
nem der andern ſtellen, ſo ſehen möchten, wie ſie damit weiter
fertig würden; wurde aber ex argumento primo ſeyner eyge⸗
nen vorigen Red und als grober egojsta, ſo keine Rückſicht
auf Damen nähme, widerlegt.
Alſo erläuterte ich ſelber dund bin begierig, zu erfahren, ob
der Engere meine Anſicht approbieret): Die Rückſicht auf die
Signora erheiſche, daß ſie nit im Dunkeln bleibe, anderſeits
ſey es aber zu hart, wenn zwey Biedermänner, wie der
arciprete und ich, wegen ihr in Finſternis zu Bett tappen
müßten, ſey vielmehr eyn Gebot der Menſchlichkeit, dieſe
calamitatem auf eynen eynzigen zu beſchränken, wogegen die
Signora ſich auch wieder in die consequentias zu fügen habe,
ſo die Eygenheit des Falls mit ſich brächt. Solle daher die
Signora entſcheiden, wem von uns beyden ſie eyn Anteil am
Schlafengehen mit der Lamp wollt zukommen laſſen; und wen
es eben träf, der mög es als Fügung des Schickſals von Poggio
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