Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., E 6990,mi-7/10
Scheffel, Joseph Victor von; Franke, Johannes [Hrsg.]
Joseph Victor von Scheffels sämtliche Werke: mit acht Kunstbeil. nach Gemälden von E. Grützner, A. Liezen-Mayer, Anton von Werner u.a., einer Kt. u. drei Handschriften (Bd. 7: Episteln und Reisebilder. I)
[1916]
Seite: 122
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  (z. B.: IV, 145, xii)



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122 Epiſteln und Reiſebilder. J.

bagnoli hinnehmen. — Und wiewohlen eyn leis Lachen über
das Antlitz der Sängerin von Rimini flog, ſo bin ich doch
außer ſtand, zuzufügen, wie etwannen bei ähnlichen contro-
versiis derer alten Juriſten: „Et Neratii sententia magis
placuit“, maßen der arciprete von Urbino, ſo wohl die Even⸗
tualitäten eynes ſolchen Wahlrechts erwogen, ſehr grob ſich
dagegen expektorierete und zu wiederholten Malen ausrief:
„O che pensieri etruschi!“ woraus ich mit Befremdung er⸗
ſah, daß in Urbino und ganz Umbrien eyn etwas leichtfertiger
Gedanke „un pensiero etrusco“ geſchimpft wird, und woraus
ich auf die alte Geſchichte derer Etrusker und ihr Verhältnis
zu ihren anderweyten italiſchen Nachbarn und Nachbarinnen
belehrende Schlüſſe zog.
Item die zweyt Nachtherberg war zu Paſſignano am Traſi⸗
mener See, — ſo eyn ſchön, felſig Städtlein, und iſt der Traſi⸗
mener See gar anmutig, dem Chiemſee im Bayriſchen zu ver⸗
gleichen, liegt auch eyn Klöſterlein auf eyner Inſul wie dorten.
Und iſt in der ganzen Gegend noch viel vom alten Hannibal
die Red, als wenn denen jetzigen Italienern die Köpf noch
wackelten von denen Hieben, ſo ihre Vorfahren von den Pu⸗
niern darauf erhalten, und wußte mir ſogar eyn Zollgardiſt
am monte Gualandro das Schlachtfeld ſtrategiſch zu beſchrey—
ben, — dort, wo am Bach Sanguinetto das römiſch Lager
ſtund, dort an der torre d'Annibale, wo die Elefanten her⸗
überſtiegen, und dort das Dorf Tuori, wo der alt karthagiſch
Feldherr den Göttern nach dem Sieg eyn Stieropfer brachte.
Scheint überhaupt der Karthager das Italien gründlicher ver⸗
runginiert zu haben als der Goth und Vandal und Normann,
maßen ich auch ſpäter in den Albanerbergen, auf den campi
d'Annibale am monte Cavo gefunden, daß er jetzt noch ſelbſt
bei Bauersleuten, Ziegenhirten uſw. in gutem, friſchem An⸗
denken ſteht, wie der Schwed bei uns. Und hatte ſogar der
Wirt von Paſſignano auf eyner großen Wand noch eyn Monu⸗
ment in breslauiſcher Malerart aufpinſeln laſſen, „den helden⸗
mütigen Gefallenen, die hier durch, tradimento' und karthagi⸗
ſches Schwert den Tod fanden, der trauernde Trasimenus.“
Item, ſo waren zwar hinlänglich Lichter in Paſſignano, alſo
daß jedwedes ſeparatim in ſeine Schlafkammer abgehen konnt,
aber ſo ſchlechte Herberg und Flohſtich, daß die Sängerin von
Rimini den Text: o indegno vetturin — „o unwürdiger


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