Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., E 6990,mi-7/10
Scheffel, Joseph Victor von; Franke, Johannes [Hrsg.]
Joseph Victor von Scheffels sämtliche Werke: mit acht Kunstbeil. nach Gemälden von E. Grützner, A. Liezen-Mayer, Anton von Werner u.a., einer Kt. u. drei Handschriften (Bd. 7: Episteln und Reisebilder. I)
[1916]
Seite: 124
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124 Epiſteln und Reiſebilder. I.

tione cointeressata de Sali & Tabacchi eyn, ſo eyne Dienſt⸗
reiſe gemacht hatte, um zu ſehen, ob nirgends anderweyter
Tabak fabrizieret würde, als der, womit der ſchnöde Torlonia
die italiſchen Raucher und Schnupfer als Monopol heimſucht.
Hatte ſogar eyn paar armen Kapuzinerklöſterlein das Hand⸗
werk geleget, ihren Schnupftabaccum künftig ſelber anzufer⸗
tigen. Rauchte aber perſönlich eyne tadelloſe defraudierte ha-
vannam, wie ſolche den employsés dieſer Geſellſchaft zukommt.
Und ſoll eyn Donnerwetter die ganze società cointeressata
verſchlagen, denn in meinen erſten Tagen zu Rom, wo ich bona
fide eynen zigaro forte gerauchet, iſt mir ſo ſchwindlig ge⸗
worden, daß die Zigarre von Brennbichel ſich in der Erinne⸗
rung ganz verkläret hat, und konnte mein eygen Haus nit
mehr finden, wurde vielmehr von eynem mitleydigen Cafetier,
ſo vornehm bemerkte, conosco — ε ubriaco*), in ſeine bottega
aufgenommen und mit allen Mitteln, ſo man bei eynem Trun⸗
kenen anwendet, café nero und Schnapseynreibung wieder zur
Lebenskraft zurückgerufen und war dazumal kein Tropfen Wei⸗
nes über meine Lippen gekommen.
Item ſo fuhren wir noch drey Tag — kamen bei Terni und
Narni über fährliche Apenninenpäß und verrufene Gegend,
alſo daß wir eynen Räuberangriff für nit unwahrſcheinlich zu
halten hatten — kamen aber wohlbehalten durch, mit Aus⸗
nahme ſchmaler Koſt und Atzung — und bei Caſtel Borghetto
hab ich zum erſtenmal den caeruleus Thybris begrüßet — er⸗
tönete auch in eyner Scheuer eyne Art Muſika, wie wenn man
eynen kupfernen Hafen anſchlaget, und wurde von denen
Bauersleuten eyn fremder Tanz aufgeführet, ſo aber der ita⸗
lieniſche Haupt⸗ und Nationaltanz saltarello war. Und hat
mir dazumals auch nit geahnet, daß ich wenig Monat ſpäter
oben im Sabinergebirg mit der dicken Regina und der ſchwarz⸗
braunen Geltrud und der roſenwangigen Pepina mich des⸗
ſelbigen keltiſchen Tanzes emſig würde befleißen.
Und waren wir von da ab ſchon in der römiſchen Campagna,
ſo vulkaniſcher Natur iſt, und wo die Weibsperſonen als wie
die Männer überzwerch auf dem Pferd ſitzen. — Am ſechſten
Tag wurd noch in eyner wilden und ſchlechten Kneipe, zuge⸗
nannt la storta, Station gemacht, und hatt alles eynen gar

*) Aha, ein Betrunkener.


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