Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., E 6990,mi-7/10
Scheffel, Joseph Victor von; Franke, Johannes [Hrsg.]
Joseph Victor von Scheffels sämtliche Werke: mit acht Kunstbeil. nach Gemälden von E. Grützner, A. Liezen-Mayer, Anton von Werner u.a., einer Kt. u. drei Handschriften (Bd. 7: Episteln und Reisebilder. I)
[1916]
Seite: 125
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Römiſche Epiſteln. 125

fremden Charakter, kamen große Ziegenherden, Ochſen und
Büffel gezogen und wilde Campagnolen mit ihren Spießen
angeritten, und war eyn eynfacher Trinkſaal daſelbſt — und
fand an deſſen Wand zwey inscriptiones, ſo entſchieden auf
deutſche Herkunft wieſen: war eyn Geſicht hingemalt mit der
Unterſchrift „Saupeter“ — und ſtund an eynem Pfeiler: „O
Heidelberg.“ L
Ging ſodann noch über etzlich Hügel und Flächen, ſo ſtreckt
ſich wie eyn ferner Punkt die Kuppel von Sankt Peter herfür —
und glänzete noch ferner das Meer — und „evviva Roma!“
rief die ganz Vetturingeſellſchaft, und der arciprete von Ur⸗
bino, der auch noch nie die heylig Stadt geſehen, drohete mich
zu umarmen. Und war der eynzig gut Vorſchlag, den ich je von
ihm gehöret, auf der nächſten osteria anzuhalten und zum
Gruß der Weltſtadt eyns zu trinken.
Und wie wir dem monte Mario näher kamen, ſo bot ſich
auch im ſchon erwähnten Ponte molle-Wirtshaus eyn ſchick⸗
liche Gelegenheyt, und hab ich alſo — was der Engere ge⸗
wiß billiget — angeſichts von Rom eyn groß, voll Glas Or⸗
vieto hinabgeſtürzt und geſprochen: Quod felix faustumque
sit. Flogen auch eyn paar Geyer zur Rechten auf, was ich
als gut augurium angenommen — und alſo ging's zur porta
del popolo hinein, — — evviva Roma!

Caput III.

Von meiner allererſten Tat in der Roma.

Item ſo ſtieg ich mit meinen Habſeligkeyten in dem Gaſthofe
des Franz Roesler in der via Condotti ab, und wiewohl ich das
ganz Gepäck dem germaniſchen Hausknecht anvertrauet, ge⸗
ſellete ſich doch eyner von den welſchen Tagdieben, ſo an der
Ecke des ſpaniſchen Platzes herumlungern, dazu und bemächtigte
ſich eynes Mantelſacks, ſo er in mein Zimmer trug; und achtete
ich desſelben nit viel. Als aber Wirt und Kellner ſich verzogen
hatten, ſtand derſelb immer noch in der Stub, und fragte ich
ihn endlich, was er begehre. Alſo ſchien er mich für eynen
Engelländer zu halten, ſo ganz friſch von Civitavecchia her
eyngefahren und in welſchem Brauch keyn Beſcheyd wiſſe, und
verlangete 8 paoli — ſo nach rheiniſchem Geld 2 Gulden macht


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