Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., E 6990,mi-7/10
Scheffel, Joseph Victor von; Franke, Johannes [Hrsg.]
Joseph Victor von Scheffels sämtliche Werke: mit acht Kunstbeil. nach Gemälden von E. Grützner, A. Liezen-Mayer, Anton von Werner u.a., einer Kt. u. drei Handschriften (Bd. 7: Episteln und Reisebilder. I)
[1916]
Seite: 128
(PDF, 54 MB)
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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/scheffel_sw7/0130
128 Epiſteln und Reiſebilder. J.

Königszeyten ſich angehäufet und derohalben von ſehr feſter
substantia, ſo eyn beſſeren Schutz gegen Eyndringen des sci-
rocco und ſchlimmer Luft gewähret, als eyn poroſes Erdreich.
Sind daher auch viel tiefer Gäng in beſagtem Scherbenberg
gegraben und eyn ganze Fortifikation von Weinſchenken rings⸗
um angeleget, und heißt man ſelben Wein vino delle grotte,
und genießt derſelb mit Recht eyn ganz vorzügliches Anſehen
unter dem römiſchen Getränk. Darum am Testaccio ein weit
längeren Aufenthalt gemacht als an der Pyramid des Ceſtii.
4. Die Villa Farneſina beſichtiget, allwo Meiſter Raffael die
Sääl mit kunſtreichen Malereyen geſchmücket und die Geſchicht
von Amor und Pſyche, item die Galatheam mit Meermännern
und Meerweiblein in wunderſamer Anmut geſchildert. Und iſt
auf ſelbem Thybrisufer auch die Stell, wo Sankt Petrus den
Martyrtod erlitten, und in den Gärten oben, bey der Villa
Spada eyne ſonderbare Oſteria; — ſind nämlich die Weg zur
Zeyt der Belagerung Roms, ſo dort und an porta Pancrazie
namhaft getobet, verruiniert und ſeyther nit reparieret worden,
als daß man in ſelbe Oſteria, ſo tief unten in eynem Garten
liegt, nur mittels eyner hohen Leiter hinabſteigt; — was kein
vorteilhafte Konſtruktion iſt, da, wie eyn ſachkundiger Archi⸗
tekta bemerkte, es dadurch unmöglich wird, auch in den drin⸗
gendſten Fällen eynen unbequemen Gaſt hinauszuwerfen. Wein
gut, und von goldgelber Farb, ſo ſelten.
Item, ſolcher perlustrationes hab ich noch etzlich vorge⸗
nommen, maßen noch immer warm, friſch Wetter, und es von⸗
nöten, die guten Tag zu nutzen, denn der ſchändlich Scirocco
wirkt oft taglang auf den germaniſchen Menſchen, als daß ihm
der Wein wie Tinten ſchmecket und er in ſeinem Dichten und
Tun vermeinet, es ſey ihm ein ſchwer Brett vor den Kopf ge⸗
ſagelt Jetzt aber ſchreit ich zur continuatio des Berichts
elber.

Caput V.

Von beſchwerlichem Aufenthalt in Rom zur Sommerszeyt, — item von lebens⸗
gefährlichem Beſuch derer Wirtshäuſer vor den Thoren.

In der erſten Zeyt nach meiner Ankunft allhier hat mir's
nit recht behagen mögen. Iſt nämlich die Stadt an eyn unge⸗
ſunden Platz in der Ebene gebauet, und ſteckt noch immer viel


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