Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., E 6990,mi-7/10
Scheffel, Joseph Victor von; Franke, Johannes [Hrsg.]
Joseph Victor von Scheffels sämtliche Werke: mit acht Kunstbeil. nach Gemälden von E. Grützner, A. Liezen-Mayer, Anton von Werner u.a., einer Kt. u. drei Handschriften (Bd. 7: Episteln und Reisebilder. I)
[1916]
Seite: 135
(PDF, 54 MB)
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Römiſche Epiſteln. 135

Item ſo war das Heimreiten ſehr beſchwerlich, maßen eynige
der Leitung ihres Eſels nit mehr mächtig waren und überhaupt
eyn groß rumorem durch Berg und Wald verführeten. Und
war dies die ſchärfſte Trinkung, ſo ich ſeit meiner Abfahrt aus
Deutſchland erlebet — hab mich aber tapfer durchgefochten und
bin — mit Ausnahm eynes kleinen erroxris, nämlich daß ich aus
der Schenke zu Genzano, wo wir noch in ſpäter nächtlicher
Weil eynen Veſpertrunk nahmen, auf der Straß eyn Stück weit
gen Neapolis anſtatt gen Albano fortgeritten, — ohne Fährlich⸗
keyt wieder in Albano angelanget.
Item, ſo ſeh ich, daß mein Bericht ſich über die Maßen aus⸗
dehnet, — und hab ich die feinſten puncta, z. B. eyn Beſuch bei
den Franziskanern in Palazzuola, und eyn vierwöchentlichen
Aufenthalt in dem Bergſtädtchen Olevano, bei der fürtrefflichen
Regina, item eyne Fahrt in das ſteile, flohreiche Cervaſa, —
item allerhand Zoologica noch gar nit berühren können. Die⸗
weil aber inzwiſchen das Briefporto in die Heimat ſehr ermä⸗
ßigt worden, auch eyn regelrecht End ſo bald nit abzuſehen,
ſo brech ich hier ab, hoffend, daß dem löblichen Engeren dies
Papier nit als unnütz verſchrieben erſcheint, und daß er daraus
abſieht, wie ich in welſchem Land an Erweiterung von deſſen
relationes gewirket.
Und ſo er aus obigen datis eynige Kurzweil ſchöpfet, ſo bitt
ich mir eyn baldigen aviso über Empfang und etwaige con-
tinuation aus, wünſch, daß alle Mitglieder ſich eynes fröh⸗
lichen Wohlſeins erfreuen und mich ſeithero nit vergeſſen haben,
und daß es mir vorbehalten bleib, im nächſten Winter durch
perſönliche Interpretation allerhand weitern Aufſchluß zu er⸗
teilen. Und ſo mein biederer Freund, der Meiſter Willers, der
gegenwärtig nach Deutſchland gereiſt iſt, auf ſeine Rückkehr im
Februario oder Maerzen Heydelberg berühren ſollt, ſo will ich
ihn dem Engeren angelegentlich empfohlen haben.
Alſo ſchließ ich mit eynem herzlichen „Bhüet Gott“ das
6. Kapitel und vorläufig dieſen Bericht; — und werd in der
Neujahrsnacht, allwo ich mit andern guten Geſellen in Olevano
eynen deutſchen Trunk zu tun gedenke, der lieben Stadt Heydel⸗
berg und ihrer Inwohner nit vergeſſen. Addio.


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