Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., E 6990,mi-7/10
Scheffel, Joseph Victor von; Franke, Johannes [Hrsg.]
Joseph Victor von Scheffels sämtliche Werke: mit acht Kunstbeil. nach Gemälden von E. Grützner, A. Liezen-Mayer, Anton von Werner u.a., einer Kt. u. drei Handschriften (Bd. 7: Episteln und Reisebilder. I)
[1916]
Seite: 138
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138 Epiſteln und Reiſebilder. J.

und iſt damit genug geſagt. Iſt dieſer zur Zeyt der eynzig Ver⸗
treter des ſchwäbiſchen Stamms in Rom, — zwar nit aus
Böblingen, aber aus Markgröningen, eyn feſter, ehrenwerter
und ſchwerfälliger Herr, ſo Italien alſo gründlich bereiſt, als
wär jede Stadt eyn paragraphus in eynem compendio und
wörtlich auswendig zu lernen, — und ſteigt derſelbe in Rom,
bis an die Kravatte zugeknöpft, und mit eynem großen Rohr⸗
ſtock, den ihm bereits im Fuchſenſemeſter eyn Kollega verehrt
hat, ſo ernſthaft eynher, als ging er aus eynem philoſophiſchen
Kollegio in die Eyfferthei zu Tübingen zum Braunbier. Hat
aber viel Kenntnis von alten und mittelalten Dingen — und
ſind ihm die preußiſchen Theologi „ſcheißlich zuwider“ — was
auch eyn gute Eigenſchaft iſt.
Der zweyt war Herr Andrée aus Frankfurt, ſo weiland beim
Kollektivknab in Weinheim zum Menſch herangebildet worden
— und war derſelbig nach allerhand fatis eyn Maler geworden
und mit eynem kecken und leichtfertig ſaliſch⸗ripuariſchen Weſen
begabt, ſo der Bücherweisheyt ſchnurgerad entgegenſtrebt. Hatte
deshalb auch der ſchwäbiſch Magiſter viel Unrecht von ihm zu
leiden. Derſelbig Andrée war erſt kurz in Welſchland — fres-
co, wie man zu ſagen pflegt — und hatt derohalb noch mannig⸗
fach unklare Begriff von Land und Leuten, und war ſein Haupt⸗
ſtreben, eynmal „tief in die Abruzzen“ hineynzuſchauen — denn
alle Berg hinter Rom hieß er Abruzzen, wiewohl ihn Meiſter
Heydt mannigfach zu belehren ſuchete, wo die Sabiner, und wo
die Äquer und Hernici und die rauhen Volsker gehauſet.
Der dritt war mein junger Landsmann Kloſe, eyn ſtiller,
ſinniger Landſchaftsmaler, ſo ſchier eyn halb Jahr in Olevano
gelegen und Berg und Wald fein abgeſchrieben hat, ohne jedoch
des Landweins und Saltarelltanzens zu verachten.
Der viert war ich ſelber; und hatt wieder meinen grauen
Schlapphut aufgeſetzt und meinen ſteineichenen Malerſpieß zu
Handen genommen, und war mir — wiewohlen mich in Rom
ſchon mancherlei Melancholey beſchlichen — wieder ſo wohl
und friſch ums Herz, wie immer, wann ich hinauszieh in die
weite Welt.
Item ſo fuhren wir an der lateraniſchen Kirch vorbei und
zur alten porta maggiore hinaus, wo der Bäcker Marcus Ver-
gilius Eurysaces durch ſeyn plumpes, zunftſtolzes Grabdenk⸗
mal auf die Nachwelt übergegangen iſt, — und waren ſofort in


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