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Römiſche Epiſteln. 139
der öden Campagna. Von der Campagna hab ich eyn andermal
zu berichten, wann ich auf ernſtere Ding zu reden komm, denn
dies weit Stück Land, ſo durch vulkaniſche Kräft dem Meer ab⸗
gezwungen ward, mit ſeinen Cannafeldern, Riſſen, Schwefel⸗
ſeen, mit ſeinen Tuff⸗Felſen und ohnzähligen alten Trümmer⸗
ſtücken, heidniſchen Gräbern und labyrinthiſch unterirdiſchen Ka⸗
takomben iſt mir ſchier großartiger wie die ganz Stadt Rom —
und hab deshalb, zu Tag⸗ und auch zu Nachtszeyt ſchon man⸗
chen feſten Gang hinaus gemacht. Diesmal war nit viel zu
ſchauen — als etwannen das Mauſoleum der heiligen Helena
in eyner Vigne draußen — und hernachmals eyn von baſaltigen
Felſen umſchloſſener, alter und längſt penſionierter Krater,
ſo, nachdem er außer vulkaniſchen Dienſt gekommen, auch eyn⸗
mal als See Carriere gemacht, und hieß damals lacus Regillus
und war an ihm, als die Römer noch mehr Strauchdieb und
Heckenreuter als Weltherrſcher waren, eyne Bataille mit ihren
Gebirgsnachbarn, worüber indes im ſicheren Niebuhr des Nä⸗
heren nachgeleſen werden kann.
Elf Miglien von Rom, wo die letzten Ausläufer des Albaner⸗
gebirgs zur Ebene niederſteigen, ſteht eyn eynſam Wirtshaus,
la Colonna, wo ich früher einmal eyne Geſellſchaft „Geſtalten“
mit Flinten angetroffen, mit denen ich keine Priſen Tabak zu⸗
ſammen hätt ſchnupfen mögen.
In ſelben „Haidekrug“ fielen wir diesmal eyn; und war eyne
charaktervolle Spelunke, alſo daß, wenn ich nit ſchon an tor di
mezza via an der appiſchen Straß und in eyner Kneipe zu
Marino, wo noch eyn umgeſtülpter Heuwagen, deſſen Fuhr⸗
mann die Zech nit zahlen konnt, in der Stuben pfandrechtlich
aufgepflanzt war, noch Abſonderlicheres erſchaut hätt, ich ſie
ſchon eynem näheren Beſchrieb unterziehen möcht; denn da eyne
ſolche Stuben zugleich der Durchgang zum Stall iſt, und da
Hühner und Katzen und große Hund eynträchtig mit den Men⸗
ſchenkindern darin hauſen, auch Bank und Stuhlwerk eynes
primitiven Zuſtands ſich erfreuen, ſo ſind hier allerhand kultur⸗
geſchichtliche contemplationes anzuſtellen. Das Frühſtück be⸗
ſtand aus eynem Hammelbraten und Büffelkäs, und die Unbe⸗
kanntheyt des Meiſter Andrée mit italieniſchen Genüſſen be⸗
wirkte, daß er zum Nachtiſch zwey Bündel Lauch oder Sellerie
beſtellte, ſo allerdings vom Campagnolen roh aufgezehret wird,
für eynen germaniſchen Magen aber nit wohl paßt, abgeſehen von
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