Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., E 6990,mi-7/10
Scheffel, Joseph Victor von; Franke, Johannes [Hrsg.]
Joseph Victor von Scheffels sämtliche Werke: mit acht Kunstbeil. nach Gemälden von E. Grützner, A. Liezen-Mayer, Anton von Werner u.a., einer Kt. u. drei Handschriften (Bd. 7: Episteln und Reisebilder. I)
[1916]
Seite: 140
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140 Epiſteln und Reiſebilder. I.

der ſymboliſchen Bedeutung dieſer ſchätzenswerten Pflanz in
der italieniſchen Blumenſprach, — denn ſo eynem die Wirtin
eyn ſolch Sträußlein kredenzt, ſo heißt das ſoviel, als was die
Gräfin in dem ſchönen Volkslied zum jungen Zimmermann ge⸗
ſungen — und hat ſie deshalb eynen böſen italieniſchen Zu⸗
namen, den ich hier nit herſetzen kann. Wurde übrigens unſerem
Frankfurter Gefährten hierüber eyne naturgeſchichtlich und alle⸗
goriſch durchgreifende Belehrung erteilt und demſelben, da er
aus Hartnäckigkeit dieſe vegetabiliſche Atzung verſchlang, as⸗
cetiſche Grundſätz eingeprägt, auf daß ſich in Paleſtrina kein
conflictus erhebe.
In dieſer Bergſtadt Paleſtrina nämlich iſt kein Gaſthaus,
— kommen auch nit viel Reiſende hin — ſondern iſt Brauch,
daß, ſo man dorten eynreitet, man eynen der honoratiores um
Gaſtfreundſchaft anſpricht, ſo dann anſtändig vergütet werden
muß. Und bin ich auf früheren Fahrten bereits dort bekannt
worden und hab im Hauſe Nino des capellaro oder Hutmachers
eyn Unterſchlupf gefunden und wußte, daß es zur Erhaltung
von gutem Imbiß und Trank ſehr förderlich iſt, ſo man ſowohl
der alten, geizigen capellara als ihrem ſchönen Töchterlein mit
feinen und ſchmeichelnden Redeweyſen begegnet; — dürft aber
gefährlich ſein, die Grenzlinie eynes Gaſtfreunds bei beſagter
Tochter zu überſchreiten, maßen das Haus eyne Schar autoch⸗
thoniſcher Hutmachergeſellen beherbergt, und man nit nurrauhe
Bergweg hinabgeworfen, ſondern auch ſchwarz und blau gefärbt
werden könnt.
Item, ſo zogen wir des Abends in Praeneſte eyn — und iſt
eyne merkwürdige Stadt, von der ſchon Hannibal und Pyrrhus
gen Rom hinübergeſchaut haben, ob ſich's wohl packen ließ oder
nit. Und trotz des ungeheuren Tempels der Fortuna iſt des
Unglückes eyn reiches Füllhorn über dies Neſt ausgeſchüttet
worden, ſeit die Kerntruppen des Marius mit ſamt den Bür⸗
gersleuten dort von den Sullanern zuſammengehauen wurden
— und iſt Paleſtrina immer auf der Oppoſitionsſeit gegen Rom
geſtanden und hat ſich weder von den Päpſten noch vom Cola
Rienzi kommandieren laſſen, weshalb es aber auch mit Feuer
und Schwert ruiniert worden, und ſind die Paleſtriner wilde
und trotzige Leut, ſo noch an ihren alten Geſchichten nagen —
und wie ich im vorigen Herbſt dort mit den Hutmachersleuten
am Herd geſeſſen, haben ſie mir gar böſe Sachen erzählt von


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