Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., E 6990,mi-7/10
Scheffel, Joseph Victor von; Franke, Johannes [Hrsg.]
Joseph Victor von Scheffels sämtliche Werke: mit acht Kunstbeil. nach Gemälden von E. Grützner, A. Liezen-Mayer, Anton von Werner u.a., einer Kt. u. drei Handschriften (Bd. 7: Episteln und Reisebilder. I)
[1916]
Seite: 142
(PDF, 54 MB)
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142 Epiſteln und Reiſebilder. I.

Schloß und Herrſchaft, und muß eyn keck ritterlich Geſchlecht
geweſen ſein, und ſteht der hohe Palazzo mit ſeiner Loggien⸗
reihe und Säulenhalle, Hof und Waffenplatz und eynem Park
mit ſtolzen Steineichen als tüchtig monumentum vergangener
Zeyten da; ſind auch an Kirch und Rathaus und anderweit
Gebäu viel reich verzierte Spitzbogen, ſo man ſonſt in Mittel⸗
italien nit ſieht, und iſt anzunehmen, daß der Widerſtreit derer
Colonna gegen päpſtlich und ander Autorität ſogar in ihre
architectura eyn Weg gefunden. Führte uns aber mein brav
Landsmännlein durch allerhand eng Berggaſſen in eyn Ge⸗
bäuw, ſo ein großen Lorbeerbuſch ausgeſteckt hatte — und
ſaßen dort mannigfalt ſabiniſche Trinker ums Ofenfeuer und
grüßeten uns freundlich, maßen unſer junger Genoß dort in
Sommerszeyt mit eynem Holländer manche Fogliette mit ihnen
ausgeſtochen und im Morraſpiel auch verloren hatte. Der Wirt
aber ſteckte eyn Dutzend salsiccie an den Spieß und briet ſie
am Kaminfeuer, und waren dieſe Genazzaner Würſtlein ſo
ſchmackhaft, als wären ſie zu Nürnberg in dem blauen Glöck⸗
lein oder zu Ulm im ſchwarzen Ochſen angefertigt, — und
nötigten uns insgeſamt eyne Hochachtung ab, an die wir die
notitia knüpften, daß dieſes territorium der Colonna nit nur
in ſeiner Architektur, ſondern auch in ſeinen Würſten eynen
ghibelliniſch⸗germaniſchen Geſchmack habe.
Zogen ſodann gemach fürbaß, und war uns die Sonn ſchier
beſchwerlich, und nach drey Stunden waren wir den ſteilen
Bergrücken, ſo Olevano trägt, in allerhand Windung und
Kreuzweg, durch Vignen und Olivenwälder hinangeklommen;
und wie wir oben an die kontana vor dem Städtlein kommen,
ſo war die dick Regina und die klein Lala zufallshalber dort⸗
hin ſpazierengegangen, und auf einmal erhebt ſich eyn ſcharf
Rufen: Sir Giuseppe! Sir Guglielmo, — und kommt unſer
freundliche, dicke Wirtin, ſchier wie eyne Windsbraut daher
geſprungen, und war des Händedrückens und Begrüßens kein
End — und drohte mir ſchier eine Umarmung; — und oben
auf der casa Baldi ſtund die dienende Magd Geltrude und
rief ihr ſabiniſches: „—' rella mi!“ herab — und hängten
ſich die zwey Frauenzimmer uns an Arm, und wurden wir
als wie in eynem Triumphzug am Städtlein vorbeigeführt,
dieweil dies eyn große Ehr war, daß die amici forestieri in
ſo ungewohnter Zeyt aus Rom, wo der Papſt wohnt und alle


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