Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., E 6990,mi-7/10
Scheffel, Joseph Victor von; Franke, Johannes [Hrsg.]
Joseph Victor von Scheffels sämtliche Werke: mit acht Kunstbeil. nach Gemälden von E. Grützner, A. Liezen-Mayer, Anton von Werner u.a., einer Kt. u. drei Handschriften (Bd. 7: Episteln und Reisebilder. I)
[1916]
Seite: 151
(PDF, 54 MB)
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Römiſche Epiſteln. 151

Item ſo kamen wir durch das großartig ſchöne Tal der
Aquädukte, deren alt, zerſtört Gemäuer im letzten Abend⸗
ſonnenſtrahl erglänzte, gen Tivoli und nahmen im Hotel „de
la Sibylle“ Einkehr.
Und hier war bald zu vermerken, daß eyn rechtſchaffen
Wirtshaus wie das in Olevano in Welſchland ſo ſelten iſt wie
der Diamant Cohinur unter den Geſteinen; — ſammelte ſich
bald viel Geſindel, ſo ſich für morgen zum Führer anbot,
vetturini, ſo ſich Konkurrenz machten, item ſo war der erſt
Wein, ſo auf den Tiſch kam, nit zu trinken und wurde mit
Indignation zurückgewieſen, desgleichen der zweyt, weil der, in
anderer Art und Farb, gleich ſchlecht ſich erwies; erſt der dritt,
nachdem mit dem Wirt nach dem Vorbild des alten Meiſter
Willers „geredet“ worden, war beſſer; — und wie der ſchlecht
Ziegenbraten abgenagt war, kommt der Hausknecht und fragt,
ob die Herren Fremden vielleicht eyne kleine Illumination des
Sibyllentempels draußen mit bengaliſchem Feuer befehlen?
Jetzund war aber das Maß voll, und griff ich eynen Feuer⸗
brand aus dem Kamin und erklärte dem kaechino, hiemit
ließ ſich, wenn wir's wollten, nit nur der Tempel illuminieren,
ſondern ihm ſelber auf eyne Weiſe zum Saal hinausleuchten,
daß er morgen ſeinen culo mit Eſſig reiben könnt — worauf
der Tempelerleuchter ſpurlos verſchwand. Und hat dieſer ey⸗
gentlich Unrecht von mir leiden müſſen; denn an all der Ver⸗
hunzung von Italien ſind die verdammten Engländer ſchuld,
die continent travellers und die reiſenden Evelinen, die ſich
derley dumm Zeug in ihr Tagbuch notieren wollen; und es ſoll
mir nit leid tun, wenn ich Zeyten des nächſten Karnevals eyn
paar scudi los werd für Orangen und Zitronazzen, denn ich
gedenk dieſen Inſulanern trotz ihres germaniſchen Urſprungs
meine Hochachtung in ganz abſonderlicher Weis an ihre harten
Schädel zu werfen. — Wurde darum in unfeinen Reden von
dieſem Tibur, wo Horatius ſeine Lebenstage zu beſchließen
wünſchte, geſprochen; da hub zum Troſt Meiſter Heydt an, daß
wir nit die eynzigen ſeien, denen zu Tivoli ſchlecht mitgeſpielt
werd, und hätten ſchon die römiſchen „Stadtzinkeniſten“ in
grauem Altertum hier Unrecht leiden müſſen. Es begab ſich
nämlich, als Rom noch eyn ſtarke heidniſche Republik war, daß
der Senat ſämtlichen musicis von Rom, den tibicinibus,
symphoniacis und cymbalistis ihr herkömmliches großes Feſt⸗


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