http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/scheffel_sw7/0155
Aus dem Hauenſteiner Schwarzwald. 153
Bhüet euch Gott all zuſamm in Heydelberg, — und den
Neckar und das alt Schloß laß ich auch ſchön grüßen.
Aus dem Hauenſteiner Schwarzwald.
Es iſt wohl ein ſchön Stück deutſchen Landes dort zwiſchen
Mainz und Köln, und mancher zehrt noch in alten Tagen an
der Erinnerung, wie er dereinſtmals auf grünem Rhein an
Burgen, Kirchen und alten Städtlein vergnüglich vorbeige⸗
fahren, etwan auch zu Rüdesheim oder Aßmannshauſen ſich
an köſtlichem Trunke geletzt, und wie er hoch auf dem Lurlei⸗
felſen die ſchönſte Jungfrau erſchaut oder erträumt hat — „ihr
goldnes Geſchmeide blitzet, ſie kömmt ihr goldenes Haar“ —
und wie er gern ſo bitterſüß dort ertrunken wäre wie des
Pfalzgrafen Sohn. — Aber damit iſt auch der meiſten Wiſſen⸗
ſchaft vom Vater Rhein abgeſchloſſen; wenn's hoch kommt,
ſchaut man noch gelegentlich bei einer Schweizerfahrt ſeinem
tollen Jugendſturz über die Schaffhauſer Felſen zu, und dann
hat's ein Ende. 's iſt nicht von jedem zu verlangen, daß er
dem Gewaltigen nachziehe bis an ſeine Wiege, wo er am eis⸗
grünen Rheinwaldgletſcher oder am Crispalt und Badüs
— „im verſchwiegene Schoos der Felſe heimli gibohre,
An de Wulke g'ſäugt mit Duft und himmliſchem Rege,
Schloft, e Bütſcheli⸗Chind in ſim verborgene Stübli
Heimli, wohlverwahrt.
Und doch iſt noch viel wahrhaft Schönes nicht nur an ſeinen
Anfängen in der rhätiſchen Gebirgswelt, ſondern auch in dem
Strich Landes, den er von Konſtanz bis Baſel durchläuft, zu
entdecken, und wenn's bei Bingen an Biſchof Hattos Turm
gehörig zwiſchen den Felſen brauſt, ſo tobt, abgeſehen von
Schaffhauſen, im Strudel bei Laufenburg und im Rheinfelder
Hacken der Oberrhein noch ein Erkleckliches ſtärker, und wenn
ein weinkundiger Wandersmann in den kühlen Trinkſtuben am
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/scheffel_sw7/0155