Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., E 6990,mi-7/10
Scheffel, Joseph Victor von; Franke, Johannes [Hrsg.]
Joseph Victor von Scheffels sämtliche Werke: mit acht Kunstbeil. nach Gemälden von E. Grützner, A. Liezen-Mayer, Anton von Werner u.a., einer Kt. u. drei Handschriften (Bd. 7: Episteln und Reisebilder. I)
[1916]
Seite: 155
(PDF, 54 MB)
Bibliographische Information
Startseite des Bandes
Zugehörige Bände
Freiburg und der Oberrhein

  (z. B.: IV, 145, xii)



Lizenz: Public Domain Mark 1.0
Zur ersten Seite Eine Seite zurück Eine Seite vor Zur letzten Seite   Seitenansicht vergrößern   Gegen den Uhrzeigersinn drehen Im Uhrzeigersinn drehen   Aktuelle Seite drucken   Schrift verkleinern Schrift vergrößern   Linke Spalte schmaler; 4× -> ausblenden   Linke Spalte breiter/einblenden   Anzeige im DFG-Viewer
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/scheffel_sw7/0157
Aus dem Hauenſteiner Schwarzwald. 155

eng anſchließender Halskrauſe und einer großen doppelten, flü⸗
gelartig ſich ausbreitenden Bandſchleife an der Haube, und ſind
meiſtens ruhige, etwas lederne Leute, mit Anlage zu ſtiller
Gemütlichkeit und zu einem Kropf, und haben auch noch viel
keltiſches Blut in ihren Adern, und ſo man fragt, wo ſie her
ſind, heißt's: aus Mumpf oder Buus oder aus Wehr oder
Nollingen, und wenn man ſie nach ihrem Namen fragt, ſo klingt
er meiſt weſentlich keltiſch, z. B. Denz, Motſch, Dede uſw. und
nur ſelten findet ſich ein Sproſſe der germaniſchen Urfamilie
Maier oder ſonſt ein bekannterer unter ihnen.
Aber aus der Menge ragen noch andere Geſtalten ſpezifiſch
hervor: Da ſteht ſo eine Gruppe „Mannsbilder“ beiſammen:
große, gedrungene Leute; ein kurzer, bis ans Knie gehender
Sammetſchoben ohne Kragen und Knöpfe, vorn über der Bruſt
durch ein geneſteltes Band zuſammengehalten, iſt ihre „Mon⸗
tur“; anſtatt der Weſte tragen ſie ein rotes, beinahe ebenſo⸗
langes „Fürtuch“ oder „Bruſtlatz“, ſo mit Sammetſtreifen ver⸗
brämt iſt und wie ein Panzerhemd beim Anziehen über den
Kopf geworfen werden muß. Den Hals umſchließt ein gefäl⸗
teltes Hemd, oft mit großem, in künſtlich verſchnörkeltem Fal⸗
tenwurf ſich auslegendem Kragen verſehen; eine Pluderhoſe,
Falte an Falte übereinandergelegt, reicht bis ans Knie, weiße
Strümpfe mit Lappenſchuhen oder große Stiefeln mit hellen
Lederkappen ſchließen den Mann nach ſeinen unteren Beziehun⸗
gen ab. Auf dem Haupt trägt er entweder die ſommers und
winters gleich obligate Pelzkappe oder einen für alle Jahres⸗
zeiten gleich üblichen ſpitzen, aufgekrempten, ſchwarzgefärbten
Strohhut mit breitem Samtband. Auch das kurze „Tubak⸗
pfifli“ im Mund darf nicht vergeſſen werden.
Und neben dem Alten mit eisgrauem Haar, der wie träu⸗
mend dem Menſchengewimmel zuſieht, ſteht manch ſchmucker
junger Burſch, oft ein wahres Prachtexemplar von Menſch:

„Chrüſi Löckli hat er g'ha und Auge wie Chole,
Backe wie Milch und Bluet und rundi kräftige Glieder,“

und aus ſeinem Dreinſchauen und Auftreten kann einer ohne
Mühe herausleſen, daß der des Bauernſpruchs „Selbſt iſt der
Mann“ wohl bewußt iſt, auch wohl eine ſolide Rauferei wie
ein Deſſert zur ordinären Mahlzeit aufzufaſſen pflegt, ſomit
in engſter Geiſtesverwandtſchaft zu jenen Streithähnen im Land


Zur ersten Seite Eine Seite zurück Eine Seite vor Zur letzten Seite   Seitenansicht vergrößern   Gegen den Uhrzeigersinn drehen Im Uhrzeigersinn drehen   Aktuelle Seite drucken   Schrift verkleinern Schrift vergrößern   Linke Spalte schmaler; 4× -> ausblenden   Linke Spalte breiter/einblenden   Anzeige im DFG-Viewer
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/scheffel_sw7/0157