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Aus dem Hauenſteiner Schwarzwald. 157
zuträgt; der öſtliche endet bei Säckingen, ihm zur Seite fließt
der wilde Gebirgsfluß Wehra, der in einem, von hohen, zer⸗
klüfteten Felſen umſchloſſenen, ſchaurig engen Tal von dem
Wallfahrtskirchlein zu Totmoos an ſich mühſam und in jähem
Fall ſeine Bahn dem Rhein entgegenwühlt, auch die an ſeinem
Ufer hinführende Straße erſt kürzlich in einer wilden Stunde
gänzlich vernichtet hat. Von der Höhe des Feldbergs bis an
den Rhein rechnet man acht, von der Schwarzach zur Wehra
ſechs Wegſtunden. Dieſer Flächeninhalt von etwa acht Geviert⸗
meilen umfaßt die Hauenſteiner Landſchaft, in mehr als 150
Dorfſchaften von etwa 30000 Menſchen bewohnt. Nur wenige
Orte, z. B. das finſtere Städtchen Hauenſtein, der alte Ei⸗
nungsſitz Dogern, ſtehen als vorgeſchobene Poſten unten am
Rhein, alle andern liegen auf der Höhe des Gebirgs, deſſen
mittlerer Teil ein ziemlich mildes Hochland bildet, durch das
viel brauſende Bergwaſſer ihren Lauf nehmen. Aus dem Ber⸗
nauer und Menzenſchwander Einöden her fließt an den Mau⸗
ern des Kloſters St. Blaſien vorüber die Alb, durchſchneidet
mit ihren Talſchluchten das Hochland und ſchäumt, an dem
dunklen Tiefenſteiner Fels vorüber, dem Eiſenwerk Albbruck
zu, wo ſie in den Rhein fällt. Von dieſer erhielt das Land
einſt den Namen Albgau. Von dem 3000 Fuß hohen Rücken
des „öden Landes“ kommt die forellenreiche Murg herabge⸗
ſtrömt, dort, wo aus finſterem Tannenwald die Trümmer der
Burg von Wielndingen trotzig nach den fernen Schweizeralpen
hinüberlugen und in tiefem Abgrund der Waldbach kaum noch
erſchaut wird. Je mehr aber die Hochebene gegen den Feldberg
ſich hindehnt, deſto höher, rauher und unergiebiger wird der
Boden, öde Heiden und Steinfelder wechſeln mit den dunkeln
Nadelholzwäldern, Sturm und Wind ſauſen über die Berg⸗
rücken hin, und im blütenreichen Monat Mai, wie ſchon wieder
im Oktober, ſchneit's dort oben nach Herzensluſt. Nur mühſam
wird noch etwas Hafer und Gerſte gepflanzt, die Kartoffel
will nicht mehr gedeihen, die Wieſen ſind nicht ſo ergiebig, daß
ein reicher Viehſtand Erſatz für andern Mangel geben könnte,
ein angeſtrengtes Arbeiten liegt ohnedies nicht in der Inten⸗
tion jener Bergbewohner, und ſo ſind's der Mehrzahl nach
arme Leute, die dort hauſen, während unter den von der Natur
mehr begünſtigten Gemeinden auf den vordern Abhängen der
Berge manche durch vernünftigen Acker⸗ und Wieſenbau und
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