Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., E 6990,mi-7/10
Scheffel, Joseph Victor von; Franke, Johannes [Hrsg.]
Joseph Victor von Scheffels sämtliche Werke: mit acht Kunstbeil. nach Gemälden von E. Grützner, A. Liezen-Mayer, Anton von Werner u.a., einer Kt. u. drei Handschriften (Bd. 7: Episteln und Reisebilder. I)
[1916]
Seite: 165
(PDF, 54 MB)
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Aus dem Hauenſteiner Schwarzwald. 165

Wahrheit, noch immer ein Erkleckliches, und wenn auch der
Hausvater nicht mehr in heiligen Nächten die Miſtel vom
Baun ſchneidet und damit die Gottheit prüft, ſo haben wir
doch ſelber noch von einem charakteriſtiſchen Ordale vernom⸗
men. Ein alter „Salpeterer“ (wir werden deren nähere Be⸗
kanntſchaft in einem ſpäteren Briefe machen), der ſeither die
Lehre ſeiner Sekte von Nichtanerkennung der badiſchen Lan⸗
deshoheit aufgegeben und ein guter Staatsbürger geworden,
erzählte, das ſei ſo gekommen: Als ſeine Genoſſen wegen ihres
paſſiven Widerſtandes viel Verfolgung auszuſtehen hatten, auch
der eine oder andere bereits zu näherem Nachdenken in das
Freiburger Arbeitshaus verſetzt war, da kamen doch einige
Skrupel über ſie, und in nächtlicher Verſammlung auf dem
Felde bei Dogern wurden zwei geweihte gleich große Kerzen
angebrannt, die eine für die Regierung des Großherzogs von
Baden, die andere für die „gute“ Sache der Salpeterer, und
welche Kerze länger brenne, die ſolle recht haben. Selbigesmal
ſei aber das Salpetererlicht zuerſt erloſchen, und von da an
habe er ſich mit ſeinem Gewiſſen abgefunden und den „alten
Rechten vom Grafen Hans“ den Abſchied gegeben.
Daß der Hauenſteiner in kirchlichen Dingen nicht auf Seite
der „modernen Wiſſenſchaft“ ſteht, wird nach dieſen Zügen
klar ſein. Er hält ſtreng und treu an ſeinem (katholiſchen)
Glauben. 's hat lang gedauert, bis ſeine Ahnen ſich zur An⸗
nahme bequemten. Als der heilige Fridolinus aus Irland
herüber kam und auf der Rheininſel Sacconium der chriſtlichen
Kultur eine Stätte bereiten wollte, da ſaßen die Hauenſteiner
noch als ſchnöde Heiden auf ihren Bergen, und die Legende
weiß böſe Dinge darüber, wie ſie dem Apoſtel des neuen Glau⸗
bens mitgeſpielt. Noch ſteht beim Münſter zu Säckingen die
Linde, unter der der iriſche Dulder ein Obdach ſuchte und
von deren Äſten die mit Gold gefüllte Taſche ſich zu ihm herab⸗
neigte, als ihn die Heiden höhniſch aus der Herberge gejagt,
vermeinend, er könne die Zeche nicht bezahlen; und mit Miß⸗
handlungen trieben ſie ihn ſpäter als einen explorator und in-
sidiator pecorum von hinnen.
Nachdem ſie aber chriſtlicher Lehre ſich zugewendet, hielten
ſie ſeither mit aller Zähigkeit und Treue, die den Bergbe⸗
wohner überhaupt auszeichnet, daran feſt, und das Unrecht der
Ahnen am heiligen Fridolin iſt längſt dadurch geſühnt, daß


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