Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., E 6990,mi-7/10
Scheffel, Joseph Victor von; Franke, Johannes [Hrsg.]
Joseph Victor von Scheffels sämtliche Werke: mit acht Kunstbeil. nach Gemälden von E. Grützner, A. Liezen-Mayer, Anton von Werner u.a., einer Kt. u. drei Handschriften (Bd. 7: Episteln und Reisebilder. I)
[1916]
Seite: 166
(PDF, 54 MB)
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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/scheffel_sw7/0168
166 Epiſteln und Reiſebilder. I.

er jetzt als Schutzpatron und fürnehmſter Heiliger auf dem
Schwarzwald wie im Rheintal verehrt wird, und daß ſich's an
ſeinem Kirchenfeſt im März kein Wälder nehmen läßt, nach
Säckingen, wo ſeine Gebeine ruhen, herabzuſteigen und der
feierlichen Prozeſſion, die mit den Reliquien des alten Heili⸗
gen gehalten wird, ſich anzuſchließen. Der Proteſtantismus
hat ſich in unmittelbarer Nähe von Hauenſtein feſtgeſetzt; Lör⸗
rach, Schopfheim, das Wieſental, alles, was früher zur Mark⸗
grafſchaft Baden gehörte, iſt meiſt proteſtantiſch; der Hauen⸗
ſteiner aber iſt dadurch nicht berührt; er iſt ſtolz auf ſeinen
katholiſchen Glauben und will deſſen Kultus mit allen Außer⸗
lichkeiten, mit Prozeſſionen, Bittgängen, Wallfahrten ſtreng
durchgeführt.
Vom Dogma weiß er im Grunde wenig oder nichts; ſein
kirchliches Leben iſt ihm aber zugleich Sitte, Kunſt, Lebens⸗
gewohnheit, und das läßt er ſich nicht nehmen. Daher hat er
einen tiefen Haß gegen alles, was einer Neuerung auf dieſem
Gebiet gleichſieht; ein neuer Katechismus oder neue Schul⸗
ſchriften flößen ihm einen „ſchaudervollen Schrecken“ ein,
deutſch⸗katholiſch und rongiſch ſind ihm von Rechts wegen mit
nichtsnutzig identiſch, und als gleichzeitig mit den kirchlichen
Bewegungen im Jahre 1847 die Kartoffeln anfingen krank
zu werden, ſagte der Hauenſteiner: „Sie ſind halt auch rongiſch
geworden.“ Die badiſche Landtagsoppoſition, die damals die
politiſche Gleichſtellung der neuen Religionsgeſellſchaften durch⸗
ſetzen wollte, hat dieſe Seite am Bauer ganz ignoriert, und
man war nicht wenig erſtaunt, als in allen Tälern und Bergen
des Schwarzwaldes es ſich regte und in Petitionen und Adreſ⸗
ſen ein förmlicher „ſchwarzer Landſturm“ gegen ſie losbrach
und von männiglich freudig erklärt wurde, daß man „an der
römiſchen Kirche und ihrem Oberhaupt in unzerbrochener Treu⸗
heit feſtzuhalten gedenke“. Dieſe Erklärungen wurden aber
hierlands nicht etwa durch Pfarrer und Schulmeiſter oktroyiert,
ſondern ſind ehrlich aus dem innerſten Weſen des Landvolks
hervorgegangen.
So hat auch jene moderne, humane und mit einem Anflug
von Rationalismus verſetzte Richtung, welche der unter Weſ⸗
ſenberg herangebildete katholiſche Klerus vor einigen Jahr⸗
zehnten zu vertreten ſuchte, nie Eingang beim Hauenſteiner
gefunden; er ſchaute immer mit Verdacht darauf, wenn nur


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