Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., E 6990,mi-7/10
Scheffel, Joseph Victor von; Franke, Johannes [Hrsg.]
Joseph Victor von Scheffels sämtliche Werke: mit acht Kunstbeil. nach Gemälden von E. Grützner, A. Liezen-Mayer, Anton von Werner u.a., einer Kt. u. drei Handschriften (Bd. 7: Episteln und Reisebilder. I)
[1916]
Seite: 178
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178 Epiſteln und Reiſebilder. IJ.

ob's um eine Sägmühle oder um ein Paar Ochſen ging, Peter
Gottſtein klagte beim Amt, und wenn ſich der Gegner verglei⸗
chen wollte, ſagte er: „'s muß usprobyrt ſy,“ und wenn er's
beim Hofgericht verlor, ging er ans Oberhofgericht nach Mann⸗
heim und ſagte wieder: „'s muß usprobyrt ſy,“ und wie er's
auch dort einmal „verſpielt“ hatte, zeigte er noch die Appe⸗
lation an „den höchſten Richter der Lebendigen und Toten“ an,
was aber nicht prozeßordnungsmäßig war.
So war das „Streitpeterle“, wie ihn ſeine Nachbarn nann⸗
ten, allmählich immer unterwegs von einer Kanzlei zur andern
oder zum Advokaten, und auf der Säckinger Amtsregiſtratur,
wo die Akten nach den Ortſchaften in Fächern liegen, wurde
neben Hochſchür noch ein beſonderes Fach, das Fach „Peter
Gottſtein“ angelegt, und in Waldshut, St. Blaſien, Schopfheim
und Baſel war kein Schreiber bei Amt, deſſen Protektion er ſich
nicht erfreut hätte, und oft hatte er bei drei bis vier Tagfahr⸗
ten zugleich zu erſcheinen. Und wie's immer beſſer im Lauf
war, ſchaffte er ſich auch ein Landrecht und eine Prozeßordnung
an und machte ſeine Schriftſätze wie ein Studierter, und den
Amtleuten hatte er's auch abgelernt, wie man ſein Geſchäft im
Laufenden erhält. Aus den vielen Aktenſtücken, die ihm zuge⸗
ſtellt wurden, legte er ſelbſt eine Regiſtratur an und verfügte
das Geeignete darauf, Nro. für Nr.; z. B. wenn ihm der Ad⸗
vokat ſchrieb, jetzt müſſe er die Koſten vorſchießen, ſonſt bleibe
die Sache ſtecken, ſo verfügte Peter Gottſtein auf das Schreiben:
„Beſchluß: Iſt nunmehr die braungefleckte Kuh zu verkaufen
und dem Advokat die Hälfte von ſeinem Geld zu ſchicken. NB.
mit der anderen Hälfte kann er warten.“ ”M
All die gewaltigen Koſten waren ihm nichts gegen die Ehre,
und er ſagte oft ſelbſtgefällig, er habe ſchon ſo viel Gerichts⸗
ſporteln bezahlt, daß man den Beamten im ganzen Ober⸗
rheinkreis dafür goldene Knöpfe auf die Uniformen ſetzen
könnte, und wie ein Indianer die Kopfhäute ſeiner Feinde, ſo
hing er alle Sportelzettel, und zwar girlandenweiſe zuſam⸗
mengeheftet in ſeiner Hütte auf. Schließlich ging aber eine
Kuh nach der andern aus dem Stall, die Koſten wuchſen ihm
über den Kopf, und ſelbſt das feine Stücklein, daß er einmal
dem Akziſer, der die Sporteln etwas unſanft von ihm gefor⸗
dert hatte, einen Injurienprozeß anhing und gewann, ließ ſich
nicht zum zweitenmal machen. Eben ſollte ihm der Gerichts⸗


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