Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., E 6990,mi-7/10
Scheffel, Joseph Victor von; Franke, Johannes [Hrsg.]
Joseph Victor von Scheffels sämtliche Werke: mit acht Kunstbeil. nach Gemälden von E. Grützner, A. Liezen-Mayer, Anton von Werner u.a., einer Kt. u. drei Handschriften (Bd. 7: Episteln und Reisebilder. I)
[1916]
Seite: 179
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Aus dem Hauenſteiner Schwarzwald. 179

bote die Verfügung bringen, daß ſein Haus verſteigert werde,
da ging er erzürnt fort, um dieſem Schlag auszuweichen, und
ſtarb plötzlich. Seinen Nachkommen hinterließ er eine geord⸗
nete Regiſtratur, ein paar Dutzend unvollendete Prozeſſe und
die tröſtliche Gewißheit, daß ſein Nachlaß in Gant fallen werde.
Daß dieſer würdige Hochſchürer Juriſt trotz alledem eine
komiſche Figur geweſen, darüber war das Publikum im dürren
Aſt ziemlich einig, ſowie man auch daran nicht zweifelte, daß
Peter Gottſteins Geiſt wegen der unvollendeten Prozeſſe um⸗
gehen müſſe, bis ſie alle gewonnen ſeien. Es ließen ſich aber
ernſte Erwägungen daran knüpfen; denn damals, als der Bau⸗
ersmann ſein hergebrachtes Recht ſich ſelbſt wies, als ſtatt Ak⸗
tenſtöße lebendige Symbole ihm das Recht in einer Sprache,
die er verſtand, einprägten, als ſtatt in „qualmenden Schreib⸗
ſtuben“ unter freiem Himmel getagt wurde, war der bäuerliche
Prozeßkrämer eine Unmöglichkeit, und Jakob Grimms Klagen
über die Verdumpfung des Bauersmannes, den viel tauſend
Paragraphen der modernen Legislation gegenüber*), fanden
hier einen tatſächlichen Beleg. L
„Bhüt Euch Gott, und im Willaringer Tannwald habt Sorg
vor dem Meiſenhart Joggi!“ ſprach der „füürige Alexander“
zum Abſchied. — Im Hauenſteiniſchen gibt's nämlich auch
aparte Geiſter, die nicht einmal in Görres Myſtik, jenem Hof⸗
und Staatskalender der Geiſterwelt, nach Rang und Titel an⸗
geführt ſind. Ein ſolcher iſt der Meiſenhart Joggi, der ſich
lediglich im Tannenwald auf dem Eggberg aufhält und deſſen
amtliche Stellung im Geiſterreich darin beſteht, heimkehrende
Biedermänner irrezuführen oder ſonſt durch mannigfachen
Schabernack auf die Verwirrung ihrer Begriffe hinzuarbeiten,
was er denn mit Geſchick und Humor tut, und wenn nur die
Hälfte von der Meiſenhart Joggi⸗Tradition ihren Grund hat,
ſo exiſtiert gar mancher, der ſeinen Schädel ſeitab vom Weg
ſchon hart an die Willaringer Tannen angeſtoßen hat und zum
Glauben an den Joggi bekehrt wurde. Und durch alle Ungunſt
der Zeiten und durch den Zweifel ſchnöder Rationaliſten hin⸗
durch hat der Meiſenhart Joggi ſeine Exiſtenz behauptet, wie⸗
wohl niemand ergründen konnte, ob er als Unterſtaatsſekretär
oder vortragender Rat, oder gar nur als Volontär in dieſem
Geiſterdepartement arbeitet, und warum er ſeine ſoziale Poſi⸗
*) Siehe: Deutſche Rechtsaltertümer. Einl. S. XVI. XVII.
L 12*


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