Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., E 6990,mi-7/10
Scheffel, Joseph Victor von; Franke, Johannes [Hrsg.]
Joseph Victor von Scheffels sämtliche Werke: mit acht Kunstbeil. nach Gemälden von E. Grützner, A. Liezen-Mayer, Anton von Werner u.a., einer Kt. u. drei Handschriften (Bd. 7: Episteln und Reisebilder. I)
[1916]
Seite: 180
(PDF, 54 MB)
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  (z. B.: IV, 145, xii)



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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/scheffel_sw7/0182
180 Epiſteln und Reiſebilder. IJ. .

tion gerade zwiſchen Egg und Willaringen gefunden hat. Dar⸗
um wär's auch ein frevelhaft Beginnen, den Hauenſteinern
dort jene Hebelſche Geiſtertheorie vorzutragen:

„Und der Irrgeiſt wohnt im Wi. Us Channe und Chruſe
Stigt er Eim in Chopf und mach zerrütteti Sinne.
Selle Geiſt führt irr im Wald uf Wegen und Stege,
's goht mit Eim z'unterſt und z'öberſt, der Bode will unter Eim breche,
D'Brucke ſchwanke, d'Berg biwege ſi, alles iſch doppelt:“

um ſo mehr, als entſchiedene Tatſachen vorliegen, daß auch
ſolche, die nur ein „einzig Schöppli“ beim alten Balthes zu
Willaringen oder ſonſt getrunken haben, nicht ungerupft durch⸗
amen.
Seither iſt viel Waſſer den Rhein hinabgefloſſen. Wir
haben unſern Rückzug von Hochſchür glücklich durchgeführt,
ohne dem Meiſenhart Joggi und ohne dem Geiſt Peter
Gottſteins begegnet zu ſein; der „füürige Alexander“
aber iſt mit ein paar hundert Leuten von jenſeits des
toten Bühls nach Amerika übergewandert. Wenn er je drü⸗
ben am Arkanſas ſitzt und denkt, wie ſchade es dort um „den
ſchönen Durſt“ ſei, ſo möge es ihm in die Ohren klingen wie
ein Rauſchen der alten Tannen und ein Kichern des Meiſenhart
Joggi, und möge ihm leiſe zuflüſtern, daß der dürre Aſt bei
Hochſchür noch am alten Fleck ſteht und der rote Ochſen zu
Herriſchried auch noch, und daß Meiſter Albiez, der „Ochſen⸗
Hannes“, noch immer die größte Fauſt auf fünf Stunden im
Umkreis hat, und daß er noch manchmal in ſtillen Abendſtun⸗
den einen ſchlimmen Gaſt ſo prompt hinausſpediert, daß kaum
ein nebelhafter ſchwarzer Streif als Spur von der Kometen⸗
bahn des Unglücklichen durch die Wirtsſtube zu erſchauen iſt.
Allen Hauenſteiner Landeskindern aber, die ſeither das Erd⸗
reich um den toten Bühl mit dem der neuen Welt vertauſcht
haben, wünſchen wir guten Tag drüben, und ſo einer, was indes
kaum zu vermuten ſteht, ein Reis vom „dürren Aſt“ mitge⸗
nommen und jenſeits in amerikaniſchen Boden gepflanzt hat,
ſo möge ihm ein ſchattiger Baum draus erwachſen, worunter
er, wie weiland Graf Eberhard im Bart unter ſeinem Weiß⸗
dorn, in ſpäten Tagen träumend ſitzen mag.

Die Wölbung hoch und breit
Mit ſanftem Rauſchen mahnt


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