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182 Epiſteln und Reiſebilder. IJ.
gegen OÖſterreich ſich zu erheben, einer der ſtärkſten Anachronis⸗
men, die in der Geſchichte des deutſchen Bauers vorkommen
werden. Immerhin aber bleibt die Zähigkeit und Ausdauer,
mit der dieſe Bauern ihre angeblichen Rechte nicht nur dem
Kloſter St. Blaſien wie dem öſterreichiſchen Waldvogteiamt
und der Regierung in Freiburg gegenüber, ſondern auch durch
autochthoniſche Diplomaten von Bergalingen und Dogern un⸗
mittelbar am Kaiſerhof zu Wien durchzufechten ſuchten, der
tragiſche Schluß, der die einen an den Galgen zu Albbruck, die
andern von ihren Tannenwäldern weg in die Verbannung
nach Siebenbürgen hin führte, und das Nachzittern dieſer Ge⸗
ſchichten in der Tradition und den Wünſchen der Enkel ſelbſt
in der Gegenwart ein kulturgeſchichtlich bedeutſames Problem.
Sie haben ſich freilich ſeit dem Mittelalter her eine gewiſſe
Praktik in „gefährlichen Verbündtnuß und Zuſammenſchickun⸗
gen, Uffruhr, Empör⸗ und Rottierung“ erworben und das
altalemanniſche Weſen ſcheint der Rauferei im kleinen und
großen weſentlich Vorſchub zu leiſten. G
Von alters her waren die Hauenſteiner freie Leute, in ihren
Einungen zu ſelbſtändigen Föderationen abgeſchloſſen; ſie ge⸗
hörten nach der von den fränkiſchen Königen gemachten Gau⸗
einteilung zum Albgau, über welchen eigene Gaugrafen geſetzt
waren. Als dann in den Verwirrungen des frühen Mittel⸗
alters aus den Grafſchaften da und dort die Anfänge einer
Landeshoheit herauswuchſen, finden wir die Grafen von Stüh⸗
lingen als erbliche Herren im oberen Albgau, während das
Schickſal der Grafſchaft Hauenſtein bis auf Rudolf von Habs⸗
burg im Dunkel liegt. Dieſer beſaß die grafſchaftlichen Rechte
mit vielem Grundeigentum in dieſen Gegenden und übte ſie
nicht mehr im Namen des Reichs, ſondern kraft eigener Lan⸗
deshoheit aus; Kaiſer Albrecht aber führte dies vollends durch.
In dem habsburgiſch⸗öſterreichiſchen Urbarbuch, das der in
dieſen Regionen heimiſche Schreiber Kaiſer Albrechts, „Mai⸗
ſter Burkard von Frikk“ (im benachbarten aargauiſchen Frick⸗
tal), zwiſchen 1303 und 1311 zuſammenſchrieb*), ſind die
officia zu Säckingen, Wehr, zu Waldshut „und uffem Walde“
genau verzeichnet. Daraus geht beſtimmt hervor, daß die Her⸗
zoge von Oſterreich damals als „Grafen zu Habsburg“, „Kaſt⸗
vögte zu Säckingen und des Gotteshauſes von St. Blaſien“,
*) S. Bibliothek des Lit. Vereins Stuttgart Bd. XIX.
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