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Aus dem Hauenſteiner Schwarzwald. 183
und als „Herren zu Waldshut“ Gülten, Nutzen, Steuern und
allerhand Rechte von den Inſaſſen des Hauenſteins beanſpruch⸗
ten, auch über „Dieb und Frevel“ richteten.
Da aber ein urkundlicher Nachweis über die Entſtehung
dieſer landeshoheitlichen Befugniſſe nie zu führen war, ſo war
hier immer die partie honteuse des Hauenſteiner Staatsrechts,
und dem Bauer wollte die Verwandlung der alten, von „Kai⸗
ſer und Reich wegen“ geſetzten Grafſchaft in erbliche Herrſchaft
des Hauſes Hſterreich nie recht zu Kopf, und er knüpfte bei ſei⸗
nen ſpäteren Beſtrebungen immer wieder am „letzten Grafen“
und am damaligen Rechtszuſtand an, ohne jedoch mehr als
dunkle Tradition anführen zu können.
Da, wo der Rhein über die Felſen des Laufenſteins ſich in
wildem Strudel Bahn bricht, ſtehen die Trümmer der Feſte
derer von Habsburg⸗Laufenburg, die als „Vögte auf dem Wald
von der gnädigen Herrſchaft zu HÖſterreich wegen“ reſidierten,
und im alten Schloß zu Hauenſtein, das ſich hart am Rhein
an der Heerſtraße nach Waldshut auf ſtumpfem Felsrücken er⸗
hebt, wurden die Waldvogteigerichte gehalten. In jenen Zei⸗
ten des Thronſtreits zwiſchen Albrecht von Oſterreich und Adolf
von Naſſau, ſowie zwiſchen Friedrich dem Schönen und Lud⸗
wig dem Bayer, als Schwaben ohne Herzog und das Reich ohne
Kaiſer war, bildete ſich im Hauenſteinſchen durch Einung der
verſchiedenen Tal⸗ und Berggemeinden eine eigentümliche Bun⸗
desverfaſſung. Wie die Clans im ſchottiſchen Hochland oder
die Bünde in Rhätien und der Schweiz traten die Waldgemein⸗
den zuſammen, „einander zu helfen in Frieden oder Unfrieden
gegen männiglich, ſo ſich wider uns ſetzet oder uns angreift. Die
auf dem Walde ſollen Volkes gegen den Feind ſtellen drei Teile,
Totnau und Schönau den vierten Teil, alles jedoch ohne Abbruch
der Rechte des Hauſes Öſterreich und der Abtei St. Blaſien.“
Acht Einungen bildeten den Kern dieſes hauenſteiniſchen
Bauernſtaates: ob der Alb Dogern, Birdorf, Wolpadingen und
Hächenſchwand; unter der Alb Görwyl, Rickenbach, Hochſal und
Murg. Dazu kamen die zugewandten Vogteien Totmoos,
Schönau und Totnau und der ſanktblaſiſche Twing und Bann.
Jede Einung ſtand unter einem Einungsmeiſter; dieſe zuſam⸗
men als „Acht⸗Mannen“ wählten den „Redmann“. Dieſer
führte die oberſte Leitung aller Einungsgeſchäfte und vertrat
die Bauernſchaft beim öſterreichiſchen Waldvogt wie beim St.
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