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184 Epiſteln und Reiſebilder. I.
Blaſiſchen Waldpropſt, ſchrieb Steuern aus zur Beſtreitung
der öffentlichen Ausgaben und zog mit dem Kriegsaufgebot
unter flatternder Landfahne ins Feld oder wenigſtens an den
kaiſerlichen „Landhag“, der mit ſeinen Verhauen und Schan⸗
zen an den Hauptpäſſen das Land ſchützen ſollte.
Die Einung hatte aber ein Element in ſich, welches früh
oder ſpät Konflikte unvermeidlich machte. Das war das Stift
St. Blaſien, das in der Einöde des Albtals vor allen andern
Schwarzwaldklöſtern Macht und Anſehen gewonnen hatte. An⸗
gezogen von den Vorteilen der Immunität („die höchſte Spitze
echten Eigentums hatte in den Augen der ärmeren Menge des
freien Volkes minderen Wert als der breite Schatten, unter
dem ſich's im Schutze des Mächtigen ruht.“ Grimm), hatten
im Lauf der Zeit viele der freien Bauern ihre etwas drückende
Freiheit gegen die Stellung klöſterlicher Zins⸗ und Dienſtleute
von St. Blaſien getauſcht, insbeſondere um dadurch von der
Laſt des Kriegsdienſtes frei zu werden. Dieſe Zinsbauern
waren aber immer noch freie Leute und durch das Vogteirecht
der Abtei den eigentlich leibeigenen Leuten derſelben keines⸗
wegs gleichgeſtellt. So unterſcheidet das habsburgiſch-öſter⸗
reichiſche Urbar die Leute auf dem Walde ſehr ſcharf in „vrie
Liute“, „darkommen Liute“ (d. h. die ihr Gut dem Kloſter dar⸗
geboten hatten und „Gottshusliute“.
Das Gotteshaus aber machte zwiſchen den dargekommenen
freien und ſeinen leibeigenen Leuten, die, wie z. B. die Tal⸗
bewohner von Bernau und Menzenſchwand, in Zwing und
Bann des Kloſters ſtanden, nicht mehr viel Unterſchied, dehnte
auch ſeine Dinggerichtsbarkeit auf die ganze Grafſchaft Hauen⸗
ſtein aus, wiewohl dieſe kaiſerliche Beſtätigungen ihrer Privi⸗
legien, daß ſie freie Leute mit eigenem Gericht und freier
Pirſch ſein ſollten, für ſich hatte, und ſuchte mit mönchiſcher
Schlauheit und wirklicher Verkennung der hiſtoriſchen Rechts⸗
verhältniſſe den Bauer unter den Druck der Hörigkeit zu brin⸗
gen.
Auf die klöſterlichen Urkunden und Schriften hatte daher der
Wälder eine ebenſo große Malice, als er ſeinerſeits viel auf
ſeine eigenen „alten Handfeſten und Privilegien“ hielt, die
freilich eigentlich nirgends exiſtierten. Im Bauernkrieg gab's
einmal Gelegenheit, das St. Blaſiſche Archiv gründlich zu
bereinigen; ein heller Haufen aus dem Hauenſteinſchen „ver⸗
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