Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., E 6990,mi-7/10
Scheffel, Joseph Victor von; Franke, Johannes [Hrsg.]
Joseph Victor von Scheffels sämtliche Werke: mit acht Kunstbeil. nach Gemälden von E. Grützner, A. Liezen-Mayer, Anton von Werner u.a., einer Kt. u. drei Handschriften (Bd. 7: Episteln und Reisebilder. I)
[1916]
Seite: 186
(PDF, 54 MB)
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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/scheffel_sw7/0188
186 Epiſteln und Reiſebilder. I.

ſo wenig habe St. Blaſien gegründete Rechte auf ſie; die Leib⸗
eigenſchaft aber ſei ein Anſinnen des Kloſters, das freien,
reichsunmittelbaren Bauern nicht zieme.
Solche Lehren, in nächtlichen Verſammlungen vorgetragen
und durch altwiedertäuferiſche Ideen geſteigert, daß bald unter
Gottes Leitung die alte Zeit zurückkehren werde, wo jeder frei
iſt, nur das Wort Gottes richtet, der Hausvater unter dem
Baum vor ſeinem Hauſe die Angelegenheiten der Seinen ſchlich⸗
tet und „Herren und Soldaten totgeſchlagen, die Güter der
Gegner aber von den erwählten Brüdern geteilt werden,“ ſchu⸗
fen dem Salpeterhannes bald einen gewaltigen Anhang.
Er begab ſich hierauf ſelbſt nach Wien, indes ſeine Freunde
zu Haus ohne Entgelt ſeine Felder beſtellten, ſeine Ernte ein⸗
heimſten, um, getreu dem Wälder Grundſatz: „'s muß us⸗
probyrt ſy,“ vom Kaiſer ſelbſt Abhilfe der Klagen gegen St.
Blaſien zu erhalten. Und wiewohl er dort ſofort ausgewieſen
wurde, verbreitete er bei ſeiner Rückkehr die Mär von einem
Gnadenbrief zur Wahrung der alten Rechte, den ihm der Kai⸗
ſer ſelbſt unterzeichnet und beſiegelt; er tobte mit ſeinem An⸗
hang durchs Land, bis ihn die öſterreichiſche Regierung feſt⸗
ſeten und nach Freiburg bringen ließ, wo er in enger Haft
arb.
Die Leute ſeiner Partei hießen die „Salpeterer“; während
die Einſichtigen, Ruhigen, die ihnen gegenüberſtanden, „Ha⸗
lunken“ geſchimpft wurden; die hauenſteinſchen Piepmaier aber,
die ängſtlich auf dem Speicher ſtanden und zwiſchen den Dach⸗
ſparren hinauslugten, ob die Salpeterer⸗ oder die Halunken⸗
Aktien höher ſtiegen und ob es Zeit ſei, etwas mehr rechts
oder etwas mehr links zu rücken, wurden in köſtlicher Partei⸗
bezeichnung die „Sparrengucker“ oder „Sparrengükksler“ ge⸗
nannt.
Nach dem Tode des Salpeterhannes hatte ſeine Partei einen
Märtyrer oder Heiligen an ihm. Der Bauerntumult währte
fort; dem neuen Abt zu St. Blaſien wurde die Huldigung, als
er ſchon unter der Linde zu Weilheim auf dem für ihn erhöhten
Throne ſaß, von allen acht Einungsmeiſtern verweigert; die
alten Rechte vom Grafen Hans und Auflehnung gegen das
Kloſter waren die Parole des Tages, die „Halunken“ wurden
verfolgt und mißhandelt; mit Basler Advokatenſchriften ge⸗
ſpickt, ging eine Abſendung von fünf Hauenſteinern nach Wien,


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